Berlin – Die Chefs ehemaliger deutscher Kernkraftwerke haben einen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (70), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52) und Unions-Fraktionschef Jens Spahn (46) geschrieben, und fordern die Reaktivierung deutscher AKW. Das Schreiben liegt BILD exklusiv vor. Es handelt sich um eine Petition von „ehemaligen verantwortlichen Leitern von Kernkraftwerken in Deutschland und kerntechnischen Experten“, wie es heißt.

Ob die Wiederinbetriebnahme der zuletzt abgeschalteten Werke technisch möglich ist, gilt vor allem als politischer Streitpunkt. Jetzt melden sich Experten zu Wort, die jahrelang den Betrieb der AKW geleitet haben, und fordern von der Bundesregierung das Hochfahren: „Wir bitten Sie, eine Reaktivierung der deutschen Kernkraftwerke zu unterstützen.“

„Kompetenz, Standorte, Infrastruktur und Personalstamm verfügbar“

In Bezug auf die Bereitschaft der Industrie und die Verfügbarkeit von Personal stellen die Experten fest, dass im Ausland deutsche Anlagen (Spanien, Schweiz, Niederlande, Brasilien, Argentinien) und den deutschen Anlagen ähnliche Kernkraftwerke in Betrieb und im Bau seien.

Heißt: „Trotz der Stilllegung der deutschen Anlagen existieren daher in der Industrie, Brennstoffbewirtschaftung und Ausbildung weiterhin Erfahrungen mit dem deutschen Anlagentyp.“ Noch seien „Kompetenz, Standorte, Infrastruktur, Kraftwerksgebäude, Teile der Anlage und des Personalstamms auch in Deutschland verfügbar und können wieder ausgebaut werden“.

AKW-Aus sei „politische Fehlentscheidung“

Der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland sei eine politische Fehlentscheidung, „wie die jüngste globale Entwicklung eindrücklich zeigt und auch Sie mehrfach betont haben“. Merz, Reiche und Spahn hatten zuletzt oft ihr Bedauern des AKW-Aus ausgedrückt. 2000 hatte die rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg für Deutschland beschlossen, nach der Fukushima-Katastrophe 2011 bekräftige Kanzlerin Angela Merkel (71) das AKW-Aus. 2022 beschloss Kanzler Olaf Scholz (68) eine kurzfristige Verlängerung – im April 2023 gingen die letzten deutschen AKW vom Netz.

„Die Rahmenbedingungen können SIE politisch beeinflussen“

Dann der Appell: „Die Rahmenbedingungen können SIE politisch beeinflussen“, schreiben die Werksleiter. Aus technischer Sicht könnten die zuletzt abgeschalteten Bestandsanlagen in Deutschland reaktiviert werden.

Die Instandsetzung und Reaktivierung bestehender Anlagen sei „essentiell für den Kompetenzerhalt in Deutschland und damit die Anschlussfähigkeit bei zukünftigen Technologien wie Small Modular Reactors (SMR) und Kernfusion“. Die drei zuletzt abgeschalteten Kraftwerke Emsland, Neckarwestheim 2 und Isar 2 produzierten zusammen rund 32 Terawattstunden Strom pro Jahr – der Jahresverbrauch von etwa neun Millionen Haushalten.

Die Unterzeichner sind vor allem Diplom-Ingenieure im Maschinenbau und der Kernenergietechnik und waren die Leiter von deutschen Kernkraftwerken: u.a. Horst Kemmeter, ehemaliger Leiter der Anlagen Emsland und Biblis, Thomas Franke, ehemaliger Leiter der Anlagen Philippsburg und Leibstadt, Dr. Jürgen Haag, ehemaliger Leiter von Emsland, Hans-Joachim Mueller vom AKW Brokdorf, außerdem Prof. Horst-Michael Prasser, Professor für Kernenergiesysteme an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).