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EU steigert Gas-Importe aus Russland

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Europas Kampf gegen die Abhängigkeit von russischer Energie kommt nur langsam voran. Im Juni importierten die EU-Staaten 14 Prozent mehr Flüssiggas (LNG) aus dem Land als ein Jahr zuvor, wie Daten der Energie-Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) zeigen, die WELT AM SONNTAG ausgewertet hat.

Die Einnahmen des Kremls aus dem Verkauf des Rohstoffs stiegen demnach auf 60 Millionen Euro pro Tag. Der jüngste Anstieg konterkariert den Plan der EU, ab 2027 kein Flüssiggas mehr aus Russland zu beziehen. Das meiste russische LNG kaufte den CREA-Daten zufolge Frankreich. Allein im Hafen von Montoir in der Bretagne kam im Juni viermal so viel an wie im Mai.

Zuletzt hatte sich die Lage auf dem internationalen Gasmarkt verschärft, weil wegen der Iran-Krise kaum noch Flüssiggas durch die Straße von Hormus gelangte. Damit fiel etwa Katar als einer der weltgrößten Gasexporteure aus. Insgesamt machte russisches Erdgas im zweiten Quartal nach Angaben der Denkfabrik Bruegel einen Anteil von 13,4 Prozent an den gesamten Gas-Einfuhren der EU aus.

Damit bewegt sich Russlands Anteil seit dem Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 durchgehend auf ähnlichem Niveau. Die EU-Staaten beziehen ihr russisches LNG fast ausschließlich vom Jamal-Terminal in der Arktis. Sie führten von dort in der ersten Hälfte dieses Jahres 136 Ladungen oder 9,97 Millionen Tonnen ein – mehr als je zuvor.

Zum Zeitpunkt seiner Invasion in die gesamte Ukraine war Russland der wichtigste Herkunftsstaat von europäischem Erdgas. Der Anteil an den EU-Gasimporten betrug damals fast 50 Prozent. Seither ist vor allem der Anteil von Flüssiggas aus den USA massiv gestiegen, außerdem haben sich die Einfuhren aus Norwegen erhöht. Inzwischen stehen laut Bruegel Norwegen und die USA für rund 60 Prozent der europäischen Erdgas-Importe. Dahinter folgen Algerien und Russland in etwa gleichauf.

Stefan Beutelsbacher ist Korrespondent in Brüssel. Er berichtet über die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. Zuvor war er US-Korrespondent in New York.

Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.