TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Penzberg (Bayern) – An Ortseingängen weisen sie auf die Gottesdienste der örtlichen Religionsgemeinschaften hin: Schilder mit gelber Kirche für die Katholiken, mit lila Kirche für die Protestanten – und jetzt auch mit blauer Moschee für Muslime! Ausgerechnet eine Kleinstadt im konservativ geprägten Süden prescht vor und lässt ihre Einwohner und Gäste wissen, wann und wo zu Allah gebetet werden kann.

Die sogenannten Gottesdiensttafeln finden sich in Deutschland in traditionell ländlich und christlich geprägten Regionen. Aufgrund der historischen Verteilung der Konfessionen ergibt sich ein klares geografisches Bild: In Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sehen Autofahrer die meisten Schilder mit gelben Kirchensymbolen, in Mittel- und Norddeutschland mehrheitlich die violettfarbenen Kirchensymbole – jeweils versehen mit der Information, wann die Messe in der hiesigen Kirche beginnt.

Zeichen für gegenseitigen Respekt

Doch seit Dienstag machen Schilder an den vier Ortseingängen von Penzberg (Bayern) nicht nur auf die katholischen und evangelischen Gottesdienstzeiten aufmerksam, sondern auch auf das Freitagsgebet der Moschee. Mit diesem gemeinsamen Projekt setze man ein Zeichen für gegenseitigen Respekt und den interreligiösen Dialog, teilte die Stadt auf ihrer Facebook-Seite mit.

Wegweiser zu den Gotteshäusern gebe es schon länger, doch die Idee für Gottesdiensttafeln sei laut Imam Benjamin Idriz erst im vergangenen Jahr bei einem Gespräch mit dem damaligen Ersten Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) entstanden. „Penzberg zeigt damit einmal mehr, dass Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet – wenn sie von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und dem gemeinsamen Willen zum Zusammenleben getragen wird“, so Idriz.

Neues Hinweisschild schon beschmiert

Doch schon in der Nacht auf Samstag haben Unbekannte die neue Tafel beschmiert und unleserlich gemacht. „Ja, es macht traurig. Nicht wegen der Farbe auf dem Schild, sondern weil Hass offenbar immer noch manche Herzen erreicht“, postet die Islamische Gemeinde Penzberg e.V. bei Facebook.

Seit Jahren werde versucht, Muslime pauschal als Extremisten, als hasserfüllt oder als Bedrohung für die Gesellschaft darzustellen. Für die Gemeinde sei klar, dass sich die Täter nicht am Schild störten, sondern an dem, wofür es steht: „Offenheit, Religionsfreiheit, gegenseitiger Respekt und ein friedliches Miteinander.“ Die Tat sei ein Ausdruck von Intoleranz, Feindseligkeit und Muslimfeindlichkeit. Weiter heißt es: „Gerade jetzt bitten wir unsere Mitglieder, Ruhe zu bewahren, besonnen zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen.“ Das Schild wurde bereits gereinigt, die Polizei ermittelt.

Erst seit 2008 können alle Religionsgemeinschaften an Ortseingängen von Kommunen auf ihre Gebetszeiten verweisen. Davor war das nur für die katholische und die evangelische Kirche erlaubt. Die gesetzliche Grundlage des Bundesverkehrsministeriums dazu stammt vom August 1960.