Frankfurt – Sie konnten sich nicht wehren, nicht flüchten. Fünf demenzkranke Menschen – zwischen 83 und 88 Jahren – waren vollständig auf die Hände ihres Pflegers angewiesen. Auf seine Fürsorge, seine Entscheidungen. Doch Felix S. (39) nutzte genau dieses Vertrauen aus – und spritzte seinen Schutzbefohlenen heimlich Insulin. Offenbar um seinen eigenen Standpunkt durchzusetzen, nahm er Verletzung und gar den Tod seiner Patienten billigend in Kauf. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.
Seit Dienstag steht der 39-Jährige wegen versuchten Totschlags, versuchten Mordes und viermal gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Seit September 2025 sitzt der ehemalige Pfleger in U-Haft. Vor Gericht räumte er ein, seinen Patienten bewusst Insulin gespritzt zu haben, ohne, dass sie es benötigen. Eine lebensgefährliche Entscheidung. Mit seinen Taten wollte er auf „Missstände in der Pflege aufmerksam machen“, behauptet er über seinen Verteidiger.
Insulin gespritzt und in Lebensgefahr gebracht
Rückblick: Felix S. war von Juli bis September Pfleger im Pflegeheim „Domicil Seniorenpflegeheim Bad Vilbel GmbH“. Am 19. September hatte er zwei an Demenz erkrankten Patientinnen Insulin verabreicht. Rasant sank der Blutzuckerspiegel bei den älteren Damen runter: Lebensgefahr! Bei einer der Frauen setzte S. selbst einen Notruf ab. Beide Frauen kamen per Notarzt sofort in die Klinik – ohne ein schnelles Eingreifen „hätte es zum Versagen des Herzkreislaufsystems kommen können“, so die Anklage. Laut Staatsanwaltschaft waren beide Frauen „arg- und wehrlos“, was Felix S. „bewusst ausnutzte“. „Der Angeschuldigte nahm die potenziell tödlichen Folgen einer Insulinverabreichung billigend in Kauf“ – obwohl er genau wusste, was das Medikament bewirken würde. Bei einer der Frauen spritzte er das Hormon später sogar noch ein zweites Mal, brachte sie wieder in Gefahr.
Schon in den Wochen zuvor hatte er drei anderen an Demenz erkrankten Bewohnern des Heimes Insulin gespritzt. Auch in diesen Fällen, „nahm der Angeschuldigte einen tödlichen Ausgang billigend in Kauf“, so die Staatsanwaltschaft. S. hatte selbst den Notruf abgesetzt.
Pfleger gesteht seine Tat vor Gericht
Vor Gericht gibt sich Felix S. als überforderte Pflegekraft. Er habe sehen können, dass die Bewohner nicht optimal versorgt werden würden. Der Grund: „Zu viel Arbeit für zu wenig Personal“. Er habe selbst schlechte Bewertungen für das Heim geschrieben: „Ich wollte, dass sich etwas ändert.“ Mit dem Insulin habe er eine Unterzuckerung erreichen wollen, damit man im Krankenhaus auf die Idee kommen würde, die Patienten hätten eine unzureichende Ernährung.
Doch die Missstände offiziell bei einer Behörde melden, tat S. nie. Stattdessen griff er zum Insulin – und brachte damit fünf wehrlose Menschen in Lebensgefahr. Vor Gericht entschuldigte er sich bei den Bewohnern und ihren Angehörigen.
Das Urteil soll noch vor Weihnachten fallen.