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München – Eigentlich sollte sie Autofahrer schützen. Doch jetzt fordert ausgerechnet der ADAC: Die umstrittene 12-Uhr-Regel an den Tankstellen muss weg! Sechs Monate nach der Einführung sei klar, dass die Maßnahme der Bundesregierung an der Zapfsäule für mehr Frust als Entlastung sorge, weil sie den Sprit teilweise sogar noch teurer macht.

Seit dem 1. April dürfen Tankstellen Benzin- und Dieselpreise nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um Punkt 12 Uhr. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Die Idee: mehr Transparenz für Verbraucher. Doch nach Ansicht des ADAC (22 Millionen Mitglieder) ist das Experiment gescheitert. „Wer mittags nach 12 Uhr tanken muss, hat erhebliche Zusatzkosten, die sich in keiner Weise rechtfertigen lassen“, kritisiert ADAC-Verkehrspräsident Peter König (57). Sein deutliches Signal an die Bundesregierung: „Die 12-Uhr-Regel sollte abgeschafft werden.“

Auch Wissenschaftler schlagen Alarm

Nach Angaben von Europas größtem Automobilclub hat die Regel zwar dafür gesorgt, dass Tankstellen ihre Preise seltener anpassen und Preiserhöhungen besser vorhersehbar sind. Für die Autofahrer habe das aber keinen Vorteil gebracht. Im Gegenteil: Die Preisunterschiede innerhalb eines Tages seien deutlich größer geworden. Wer zur falschen Zeit tankt, zahlt jetzt oft spürbar mehr.

Mit seiner Kritik steht der ADAC nicht allein da. Forscher des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kamen bereits kurz nach Einführung der Regel zu einem ernüchternden Ergebnis: Die einmalige tägliche Preiserhöhung führe zu höheren Durchschnittspreisen. Demnach liegen die Preise vom Mittag bis in die Abendstunden systematisch über dem Tagesdurchschnitt. Auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung bewertete die Maßnahme kritisch. Vor der Reform hätten Autofahrer über den Tag verteilt deutlich mehr Gelegenheiten gehabt, günstig zu tanken.

Lob für Steuersenkung und Preisdeckel

Positiver bewertet der Automobilclub die befristete Senkung der Energiesteuer. Das sei derzeit die realistischste Möglichkeit, Autofahrer direkt zu entlasten. Wichtig sei allerdings, dass die Entlastung vollständig an die Kunden weitergegeben werde und nicht bei den Mineralölkonzernen hängen bleibe. Auch den geplanten Spritpreis-Deckel hät der ADAC für richtig. Dieser könne kurzfristig extreme Preisspitzen verhindern. Eine Garantie für dauerhaft günstigen Sprit sei das allerdings nicht.