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La Guaira (Venezuela) – Am Samstag ist es 17 Tage her, dass in Venezuela ein Doppelbeben ganze Städte verwüstete und mindestens 4333 Menschenleben forderte. 17 Tage, in denen Helfer immer wieder Vermisste tot aus den Trümmern ziehen. 17 Tage, in denen so viele Familien trotz aller Hoffnungslosigkeit an ein Wunder glauben.

Francisco Bastardo (42) gehört zu denen, die hoffen. Der Seemann war gerade auf einem Schiff nahe der Straße von Hormus und sprach per Video-Chat mit seiner Familie, als die verheerenden Beben begannen. Mehreren Medien sagte der Vater: „Mein Sohn war schon immer ein sehr intelligenter Junge. Er kam ins Wohnzimmer gerannt und sagte seiner Mutter, dass es ein Erdbeben geben würde. (…) Seine Mutter umarmte ihn, und dann brach die Verbindung ab.“

Vater hört Sohn in den Trümmern weinen

Drei Tage später stand der Mann vor den Trümmern des zwölfstöckigen Hauses, in dem er mit seinem Sohn Fabio (9) und seiner Ex-Frau Kiriaki lebte. Im Lärm der Rettungsarbeiten und zwischen all den Trümmern trauerte Francisco. Doch als es still wurde, begann er zu hoffen. Der Vater berichtet, in der Ruhe habe er die Stimme seines Sohnes gehört: „Ich rief: ‚Sohn, wir sind hier, um dich zu retten! Bleib ruhig!‘“, erinnert er sich. „Und ich hörte ihn weinen und stöhnen.“

Mit Spitzhacken, Schaufeln, den bloßen Händen graben die Rettungsteams immer wieder, erreichen die Trümmer der Wohnung im sechsten Stock, wo Fabio lebte. Bis auf sechs Meter wollen die Retter an den Jungen herangekommen sein. Angeblich sahen sie sogar das Glitzern seiner Augen durch eine kleine Kamera, die in die Trümmer geschoben wurde. Neun Tage nach der Katastrophe aber sagen die Helfer diese zwei schrecklichen Worte: kein Lebenszeichen. Bastardo will und kann es nicht glauben. Immer wieder gibt es Nachrichten von Vermissten, die nach Tagen gerettet wurden. Kinder, die tagelang in den Trümmern überlebten. Warum dann nicht auch sein kleiner Sohn?

Rettungsteam: Es gibt Hoffnung

Er harrt weiter aus. Er hört weiter dieses Kratzen und Klopfen, spricht mit seinem Sohn. Er ist da, als das mexikanische Such- und Rettungsteam Topos Aztecas eintrifft und neue Tests macht. Und die Hoffnung zurückgibt. Der „Washington Post“ sagt Team-Kommandant Miguel García: „Es gibt Anzeichen dafür, dass der kleine Junge noch am Leben sein könnte.“ Klopfzeichen aus den Trümmern deuten die Retter als Lebenszeichen: „Wir wissen, dass dies bewusste Reaktionen sind. Wir stehen mit ihm in Kontakt.“ Möglicherweise ist Fabio nicht verletzt, sondern nur eingeschlossen. Hat Wasser und genug Luft zum Atmen. Es klingt unglaublich. Aber nicht unmöglich.

Weiter geht die Suche in den Trümmern. Die Helfer finden das Kinderzimmer von Fabio. Keine Spur des Jungen. Auch in der Küche ist nichts. Das Zimmer der Mutter ist nicht zu erreichen. Doch Wärmetests zeigen: Es gibt Anzeichen von Leben. Vater Francisco Bastardo sagt: „Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass wir ihm nahe sind. Ich glaube, wir werden es schaffen.“ Am 16. Tag stürzt wegen starker Regenfälle der Tunnel ein, den die Retter gruben. Doch sie beginnen von Neuem. Auch an Tag 17.