Caracas (Venezuela) – Ausnahmezustand nach dem schweren Doppelbeben am Mittwochabend in Venezuela. Unzählige Häuser in und um Caracas stürzten ein, auch Hochhäuser liegen in der Hauptstadt in Trümmern. Bislang meldeten die Behörden 164 Tote und fast 1000 Verletzte. Die US-Erdbebenwarte hält angesichts der Stärke (7,2 und 7,5) der Beben und der noch unübersichtlichen Lage bis zu 100.000 Todesopfer für möglich.

Eine junge Frau schildert in einem Clip bei der Plattform „X“, wie sie die beiden Erdbeben erlebte. Plötzlich knackten die Wände, sie schafften es noch irgendwie, eine Tür zu öffnen und durch den Rauch nach unten zu flüchten. „Die Szenerie glich einem Horrorfilm“, sagt sie in Tränen aufgelöst.

„Noch nie so viel Angst gehabt“

Hunderte Menschen waren in einem Einkaufszentrum im Osten von Caracas, als die Erde plötzlich bebte. Eine Frau (54) erzählt geschockt: „Die Treppe löste sich, die gesamte Wand riss. Gegenstände fielen von der Decke. Es war furchtbar.“ Ein Mann berichtet aus Caracas: „Es begann ganz sanft und wurde dann allmählich stärker.“ Das Gebäude habe von Seite zu Seite geschwankt. „Die Kraft war unglaublich stark“, sagte ein anderer. „Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt, es war fürchterlich“, berichtete eine 57-Jährige. Sie wurde Zeugin, wie in unmittelbarer Nähe zwei Hochhäuser einstürzten.

Verzweifelte Suche nach Angehörigen

Entsetzliche Szenen spielen sich auch unter der Hauptstadt ab: Teile von U-Bahn-Stationen stürzten bei den Erdbeben ein, begruben Menschen unter sich. In einem Video sucht ein verzweifelter Mann in der Metro nach seinem verschütteten Sohn. Die Rettungsaktionen dauern an.

Weitere Clips in den sozialen Medien zeigen nur Teile des ganzen Ausmaßes der beinahe unwirklich erscheinenden Geschehnisse in Venezuela. Jede Sekunde ist mit einem individuellen Schicksal und bitteren Verlusten verknüpft. Menschen retten sich vor herabstürzenden Trümmern, Patienten werden aus Krankenhäusern evakuiert, Bewohner stehen fassungslos vor zerstörten oder brennenden Häusern.

Aus mehreren Bundesstaaten des südamerikanischen Landes werden massive Schäden gemeldet, viele Gebäude sind akut einsturzgefährdet, Straßen wurden durch die Erschütterungen aufgerissen.

Stärkste Erdbeben seit mehr als 100 Jahren

Die Erdbeben sind die stärksten, die Venezuela seit mehr als einem Jahrhundert getroffen haben. Präsidentin Delcy Rodríguez (57) rief am Abend den Notstand aus. Retter suchen verzweifelt nach Verschütteten, das öffentliche Leben in Caracas kam komplett zum Erliegen. Menschen harren zwischen Trümmern und umgestürzten Strommasten aus.

Viele haben alles verloren und bangen um ihre Angehörigen und Freunde. Im Netz ging ein zentrales Vermisstenregister online. Auch auf weiteren Seiten wird bereits nach Tausenden Vermissten gesucht. Die Verzweiflung ist unermesslich groß. Deutsche Opfer gibt es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht.

Auch die Angst vor Nachbeben ist weiterhin groß. Diese könnten bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen, warnen die Behörden.