Dover (England) – Was ist ihm kurz vor dem Erreichen des Ufers wohl durch den Kopf gegangen? Als Karl Bushby (57) am Montag aus dem Ärmelkanal stieg, hatte er geschafft, was für viele Menschen wohl unvorstellbarer ist: Er hat die Welt umrundet – zu Fuß!
Nach unfassbaren 28 Jahren und mehr als 50.000 Kilometern ist er jetzt in seine Heimat England zurückgekehrt. Wohlauf, überglücklich und wahrscheinlich mit dutzenden Abenteuer-Geschichten von allen Kontinenten dieser Erde im Gepäck.
Seine Bedingung: Niemals ein Transportmittel
Auf seiner langen Reise hatte der 57-Jährige stets nur eine Bedingung: keinerlei Transportmittel zum Vorankommen. Zumeist trugen ihn seine Füße um die Welt, manchmal schwamm er auch. So wie auf der allerletzten Strecke zurück nach Großbritannien. „Es fühlt sich gut an, nach all den Jahren wieder britischen Boden unter meinen Füßen zu haben“, sagte Karl Bushby bei seiner Ankunft laut eines Sprechers.
Um am Shakespeare Beach südlich von Dover das Land zu erreichen, war der Weltumwanderer mit behördlicher Genehmigung von Frankreich aus durch den Ärmelkanal geschwommen. Eine kleine Gruppe von Freunden und Angehörigen, darunter sein Vater und seine Brüder, begrüßten und umarmten ihn am Nachmittag herzlich. Auch der deutsche Filmemacher Werner Herzog, der einen Dokumentarfilm über Bushbys Reise dreht, war mit einem Filmteam am Strand.
14 Jahre Ärger mit Visa und Weltkrisen
Der frühere Fallschirmjäger war im November 1998 in Punta Arenas in Chile losgewandert. Er bereiste 29 Länder. Seinen gesamten Besitz hatte er in einem Wägelchen mit dem Spitznamen „The Beast“ bei sich. Auf seiner fast drei Jahrzehnte langen Tour musste Bushby mehrere längere Pausen einlegen. Die russischen Behörden etwa verweigerten ihm lange ein Visum, nachdem er die Beringstraße zwischen dem US-Bundesstaat Alaska und dem Norden Russlands zu Fuß überquert hatte.
Insgesamt hätten ihn Visa-Probleme, die Finanzkrise von 2008 und die Corona-Pandemie etwa 14 seiner 28 Jahre gekostet. Immer wieder musste er länger in einem Land bleiben, bevor er seine Reise von genau dem Ort aus fortsetzte, an dem er sie unterbrochen hatte. „Es war nicht einfach, und genau darum ging es ja auch“, erklärte Bushby nun nach seiner Rückkehr.