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Eis, Espresso, Sonnencreme – so viel kostet der Urlaub im Ausland wirklich

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Das menschliche Gehirn hat eine eingebaute Neigung zur Milchmädchenrechnung. Das hat die Verhaltenspsychologie längst gründlich erforscht – und es zeigt sich ganz wunderbar bei der Inflation. Ob etwas günstig oder teuer ist, ermitteln wir gern mit vollkommen unzureichenden Stichproben. Die Statistiker nennen das „gefühlte Inflation“ – sie speist sich aus jenen Gütern, die wir besonders oft kaufen oder die eine besondere Signalwirkung haben. Klassische Beispiele sind die Preise für Benzin oder Butter. Man nennt solche Produkte auch „psychologische Anker“: emotionale Produkte, an deren Preis sich der Mensch besonders gut erinnert. 

Auch beim Preisniveau im Ausland greift der Reisende, der seinen Urlaub selten mit der statistisch korrekten Erfassung von Inflation und Kaufkraft verbringen mag, zu den praktischen Ankerpreisen. Ganz besonders gern hier natürlich zu emotionalen Produkten, die unentbehrlich für ein gutes Urlaubsgefühl sind: die Tasse Espresso etwa oder ein Eis.

Die neueste verfügbare Eis-Erhebung stammt aus dem vergangenen Jahr. Das Reisevergleichsportal Omio hat dabei für 75 beliebte Strände in Europa die durchschnittlichen Preise für das kleinste standardmäßig verkaufte Eis ausgewertet. Deutschland ist mit 1,50 bis 2,00 Euro europaweit unschlagbar günstig. Nicht nur in den skandinavischen Ländern sind für die Portion schon mal mehr als 4,00 Euro fällig. Auch in Frankreich ist das Eis traditionell sehr viel teurer als in Deutschland.

In den großen heißen Urlaubsländern Spanien, Italien und Griechenland liegt die Portion preislich im mittleren Bereich. Wobei es in den meisten Ländern Europas möglich ist, sein Eis für vier Euro und mehr zu bekommen, wenn man den richtigen Ort aufsucht: Auf Ibiza und auf Capri, in St. Tropez und auf Mykonos wird die Vier-Euro-Schallmauer jeweils durchbrochen. Auf Sylt kommt man der Auswertung zufolge schon auf respektable 3,80 Euro – Rekord im Günstig-Eis-Land Deutschland.

Bei der Tasse Espresso hingegen muss man schon nach Skandinavien fahren, um mehr als drei Euro zu bezahlen, in Dänemark gibt es das Tässchen sogar für mehr als 4,50 Euro, wie aus einer Untersuchung des Reiseportals Travelbook für 2025 hervorgeht. In den meisten anderen Ländern liegt der Preis demnach bei zwei bis drei Euro – mit Ausnahme von Espresso-Mutterland Italien mit 1,87 Euro und Kroatien mit 1,95 Euro. 

Wer sich bei der Bewertung des Preisniveaus im Urlaubsland nicht auf sein Bauchgefühl verlassen will, sollte sich den Hotel- und Gaststätten-Index ansehen, den das Statistische Bundesamt jährlich für Europas Urlaubsländer veröffentlicht.

Hier ergibt sich ein klares Bild. Deutschland erhält den Index 100, die nordeuropäischen Länder liegen darüber, sind also teurer, die süd- und osteuropäischen Länder liegen darunter. Wer das statistisch sauber, aber langweilig findet, kann sich stattdessen mit einem Highlight der gefühlten Inflation beschäftigen: Sonnencreme.

Eine 200-Milliliter-Flasche kostet in Deutschland im Schnitt 5,45 Euro – und die meisten Urlauber tun gut daran, einen Vorrat einzupacken. Denn nirgends ist das Produkt so günstig wie hierzulande, wo unter anderem der gnadenlose Konkurrenzkampf der Discounterketten die Preise drückt. Besonders hart wird es in Frankreich. Dort kostet die Sonnenmilch 21,57 Euro, das Vierfache des deutschen Preises.

Klaus Geiger berichtet seit vielen Jahren über Themen an der Schnittstelle zwischen Ökonomie und Geopolitik.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.