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München/Frankfurt – Der Übernahmekrimi um die Commerzbank wird immer schmutziger! Im erbitterten Kampf um Deutschlands zweitgrößte Privatbank fliegen jetzt die Fetzen zwischen der Frankfurter Bank und dem italienischen Angreifer Unicredit. Die Mailänder Großbank wirft dem Management um Chefin Bettina Orlopp (56) vor, bei Aktionären für Verwirrung zu sorgen. Gleichzeitig sendet Unicredit eine unmissverständliche Drohung: Sollte sie genügend Unterstützung der Anteilseigner bekommen, könnte sie sich die Kontrolle über den Aufsichtsrat sichern – und damit auch über den Vorstand.

Auslöser des neuesten Schlagabtauschs: Die Commerzbank hatte öffentlich infrage gestellt, warum Aktionäre knapp zwölf Prozent ihrer Aktien an Unicredit angedient haben, obwohl das angesichts des aktuellen Börsenkurses finanziell wenig attraktiv erscheint. Laut Commerzbank sind diese Aktionäre über Derivate mit Unicredit verbunden.

Die Italiener weisen die Vorwürfe scharf zurück. Mit ihrem bereits bestehenden Anteil von 26,8 Prozent kontrolliert Unicredit nach eigenen Angaben inzwischen 38,6 Prozent der Commerzbank. Über Optionen könnte der Anteil sogar auf 41,8 Prozent steigen. Unicredit kontert deutlich: „Behauptungen, die tatsächliche Zahl der eingelieferten Aktien sei niedriger, (...) sind falsch und entbehren jeder Grundlage.“

Vorwürfe an die Commerzbank

Die Italiener werfen der Commerzbank nun vor, mit „unzutreffenden und irreführenden Informationen“ von den Vorteilen einer Übernahme abzulenken. Deshalb habe man sogar die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Die Commerzbank hatte zuvor prüfen lassen wollen, ob sich Unicredit mit ihren Derivate-Partnern abgesprochen hat.

Besonders interessant an der Sache: Unicredit deutet erstmals offen an, den Vorstand über den Aufsichtsrat austauschen zu können. Die Bank erklärte: „Sollte Unicredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre.“

Für die Commerzbank-Spitze ist das eine klare Kampfansage. Orlopp reagierte entsprechend alarmiert: „Das ist schon bemerkenswert, weil das noch mehr Unruhe stiftet.“ Ganz zugeschlagen ist die Tür dennoch nicht. Die Commerzbank-Chefin zeigt sich weiterhin gesprächsbereit – allerdings nur zu einem deutlich höheren Preis. Voraussetzung sei eine attraktive Übernahmeprämie für die Aktionäre.