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Washington D.C. – US-Präsident Donald Trump will offenbar keinen der aktuellen Bewerber als neuen Chef der Vereinten Nationen akzeptieren. Nach Informationen aus der US-Regierung lehnt das Weiße Haus sämtliche Kandidaten für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres ab. Offenbar will Trump nur Kandidaten akzeptieren, die auf seiner Linie liegen. Das berichtet Daniella Chelsow von POLITICO (gehört wie BILD zu Axel Springer).

Trumps Vorwurf: Keiner der Bewerber stehe für den harten Reformkurs, den Trump bei der UNO durchsetzen will. Statt Reformern seien zu viele Vertreter des bisherigen Systems im Rennen. Dabei haben die USA enorme Macht. Als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats kann Washington jeden Kandidaten mit einem Veto blockieren.

Machtkampf um den UN-Chefsessel

Besonders schlecht stehen die Chancen offenbar für Favoritin Rebeca Grynspan aus Costa Rica. Trumps Republikaner werfen ihr vor, gegenüber Israel zu kritisch und gegenüber China zu nachgiebig zu sein. Hinter den Kulissen werden deshalb bereits neue Namen gehandelt. Zeitweise brachte Trump sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino ins Spiel.

Der Machtkampf trifft die UNO in einer schweren Krise. Nach den von Trump durchgesetzten Kürzungen klafft ein Finanzloch von rund vier Milliarden Dollar. Tausende Stellen wurden gestrichen, Programme zusammengeschrumpft. Und viele fragen sich: Wozu braucht es die Riesenorganisation überhaupt noch? Schließlich blockieren sich die Mitglieder des Sicherheitsrats (u.a. USA, China, Russland) ständig gegenseitig.

Lieber kein neuer UN-Chef, wenn er Trump nicht passt?

Nun droht zusätzlich Chaos bei der Chefwahl. Beobachter halten es sogar für möglich, dass die USA lieber gar keinen neuen Generalsekretär sehen wollen als einen Kandidaten, der nicht auf Trump-Linie liegt. Die nächste wichtige Probeabstimmung im Sicherheitsrat findet am 16. Oktober statt. Dann wird sich zeigen, welche Kandidaten Washington aussortieren will.

Damit steht die UNO vor einer historischen Bewährungsprobe. Denn erstmals seit Jahren droht nicht nur ein Streit über die Person an der Spitze, sondern über die künftige Rolle der gesamten Organisation. Für Donald Trump ist klar: Der nächste UN-Chef soll kein Verwalter sein. Das Weiße Haus sucht einen politischen Reformer oder einen echten Außenseiter. Bislang hat es jedoch keinen Kandidaten gefunden, der diesen Vorstellungen genügt.