TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Almería (Spanien) – Sie saßen in ihren Autos, um dem Feuer zu entkommen – doch genau dort starben sie. Eingeschlossen, umzingelt von Flammen, gefangen im dichten Rauch. Bei dem verheerenden Waldbrand in Andalusien sind nach aktuellem Stand mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Zeitweise war von zwölf Toten die Rede, ein weiterer Todesfall wird geprüft. Gleichzeitig gelten noch bis zu 23 Menschen als vermisst.

Was sich nahe Las Gallardos abspielte, entwickelte sich binnen kürzester Zeit zur Katastrophe. Mehrere Menschen waren im betroffenen Gebiet mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als sich das Feuer rasend schnell ausbreitete. Getrieben von starkem Wind und extremer Trockenheit fraßen sich die Flammen durch die Landschaft. Straßen wurden unpassierbar, dichter Rauch nahm ihnen die Sicht. Für mindestens vier Menschen wurde ihr Auto zur Todesfalle: Einsatzkräfte fanden sie später in einem ausgebrannten Fahrzeug. Nach ersten Hinweisen könnte es sich um einen Wagen mit Rechtslenkung gehandelt haben – ein mögliches Indiz dafür, dass die Insassen aus Großbritannien stammen. Bestätigt ist das bislang nicht.

Ausgetrocknetes Flussbett wird zur tödlichen Falle

Andere Opfer hatten versucht, in letzter Sekunde zu fliehen. Sie verließen ihre Autos, suchten zu Fuß einen Ausweg abseits der Straße. Ihr Weg führte sie über einen trockenen Wasserlauf, eine sogenannte Rambla. Doch genau dieser Fluchtversuch wurde ihnen zum Verhängnis: Das Feuer breitete sich mit enormer Geschwindigkeit aus und erfasste auch dieses Gelände. Später fanden Einsatzkräfte mehrere Tote außerhalb der Fahrzeuge. Der andalusische Notfallminister Antonio Sanz sprach von einer „echten Falle“.

Opfer wohl überwiegend Ausländer

Mindestens acht Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Sie erlitten schwere Verbrennungen und mussten in Spezialkliniken behandelt werden. Gleichzeitig wächst die Sorge um die Vermissten: Mindestens 19 Menschen werden noch gesucht, einige Berichte sprechen sogar von bis zu 23. Wer genau die Opfer sind, ist noch unklar. Nach Angaben der Behörden handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen überwiegend um Ausländer. Die Identifizierung läuft.

Die Region rund um Almería gilt mit rund 2,7 Millionen Touristen pro Jahr als beliebtes Urlaubsziel. Der Brand war am Donnerstagnachmittag ausgebrochen und breitete sich in kürzester Zeit über mehr als 3000 Hektar aus. Über 1000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele verbrachten die Nacht in Notunterkünften. Rund 150 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen, unterstützt von Spezialeinheiten des Militärs. Mehr als 150 Notrufe gingen bei den Einsatzkräften ein.

War eine Stromleitung der Auslöser?

Als mögliche Ursache gilt nach bisherigen Erkenntnissen eine heruntergerissene Stromleitung, die in die völlig ausgetrocknete Vegetation gefallen sein könnte. Bestätigt ist das bislang nicht. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich „tief erschüttert“ und rief die Menschen in der Region zu großer Vorsicht auf.