Die Kunstmesse ist mit einem Höhenflug gestartet
Corona hatte auch sein Gutes: Dem Kunsthandel brachte die Pandemie eine rasante Digitalisierung. Kunst wurde plötzlich online verkauft, sowohl von Auktionshäusern als auch von Galerien des Primärmarkts für zeitgenössische Kunst. So etwas altmodisch Analoges wie eine Kunstmesse, wo Menschen zusammenkommen, um Kunst zu betrachten, könnte dadurch aber letztlich unnötig werden.
Die Kunstmesse Art Basel gibt es noch, sogar die in Basel, obwohl sie sich selbst durch die Ausgabe in Paris den Rang abzulaufen droht. Der Globaldirektor aller Art-Basel-Messen, Vincenzo De Bellis, möchte den Besuchern deshalb in einem Interview mit dem Online-Magazin „Artnews“ sagen: „Übrigens, es gibt bestimmte Dinge, die ihr nicht sehen werdet, wenn ihr es nicht nach Basel schafft.“
Mit dem neuen Format „Basel Exclusive“ will die Messe ihre Kunden, die Galeristen, dazu animieren, Kunstwerke zu zeigen, die noch nicht in PDF-Dossiers digital um die ganze Welt gegangen sind. Es befriedigt auch das alte Kunsthistoriker-Dogma, man könne Kunst nur in der Anschauung vor dem Original erleben.
Sinnfällig ist das Prinzip besonders bei skulpturalen Werken: etwa bei der Galerie Nordenhake, die ein minimalistisches Rasterrelief aus weiß bemaltem Pappmaché von dem der Zero-Bewegung nahestehenden Niederländer Jan Schoonhoven (1971) zeigt, oder bei der Galerie Krinzinger, die „Cécile“ ausstellt, eine fotorealistische Skulptur aus staubgrauem Polyester von Hans Op de Beeck (2026).
Iwan Wirth: „Stark wie nie zuvor“
Exklusiv sind auf der Art Basel aber vor allem die Verkaufspreise. Rekordverdächtig etwa sind die 35 Millionen Dollar Nachfragepreis, mit denen die Galerie Hauser & Wirth den Verkauf eines Picasso-Gemäldes („Der Maler und sein Modell in einer Landschaft“, 1963) am ersten Preview-Tag meldete. Insgesamt 35 Werke wollen die Schweizer zum Auftakt verkauft haben. „Der erste Tag der Art Basel 2026 war ein voller Erfolg – so stark wie noch nie zuvor“, ließ der Präsident des Unternehmens, Iwan Wirth, verlautbaren.
Unter den verkauften Kunstwerken von unter anderem Philip Guston, Louise Bourgeois und Maria Lassnig war auch das Bild „On Returning from Tonnicoda“ (1973) von Cy Twombly, das im Jahr 2018 von Christie’s in London für 1,3 Millionen Pfund versteigert worden war und nun für fünf Millionen Dollar den Eigentümer gewechselt hat. Am zweiten Messetag legte die Galerie noch einmal achtstellig nach. Vermeldet wurde der Verkauf des Gemäldes „Abstraktes Bild (940–7)“ von Gerhard Richter aus dem Jahr 2015 für 20 Millionen Dollar. Erst 2021 war das von Phillips in Hongkong für umgerechnet 10 Millionen Euro versteigert worden.
Der Sekundärmarkt ist das Standbein vieler Galerien: Gray aus New York fand für 8,5 Millionen Dollar einen Käufer für das „Studio Interieur #2“ (2014) von David Hockney, der kurz vor Messeauftakt verstorben war. Das Gemälde war zuletzt 2019 bei Phillips unter den Hammer gekommen und damals für 2,9 Millionen Pfund verkauft worden. Sprüth Magers vermittelte eine klassisch-moderne „Hommage an das Quadrat“ (1962) von Josef Albers für immerhin 2,5 Millionen Euro an eine amerikanische Privatsammlung.
Direkt aus dem Atelier kam dagegen wohl Loie Hollowells Leinwand „Quinacridone Red Brain Above Pink-Blue Water“ (2026), die bei Jessica Silverman aus San Francisco einen Käufer für 450.000 Dollar fand. Die Galeristin sagte, die Art Basel in Basel sei „unübertroffen, wenn es darum geht, unsere globalen Beziehungen zu vertiefen“. Am ersten Tag habe sie 28 Werke nach Europa, Asien und Amerika verkaufen können.
Der Salzburger Thaddaeus Ropac erwies dem im April 2026 gestorbenen Malerstar Georg Baselitz eine doppelte Ehre. Die Galerie vermittelte einerseits das 2024 für 567.000 Dollar ersteigerte Gemälde „Ach, Mädchen grün“ (2010) für 1,2 Millionen Euro. Sie bot andererseits aber auch eine atelierfrische Würdigung Robert Longos des verehrten Künstlerkollegen an. Seine monumentale Kohlezeichnung „The Messenger“ zeigt eine ausgebreitete Vogelschwinge, die an Baselitz’ berühmte Adler-Bilder erinnert. Sie wurde für 750.000 Dollar verkauft.