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Dillingen (Saarland) – Die Idee ist so einfach wie genial: Senkrechte Solarmodule werden auf Feldern aufgestellt, damit die Flächen von Landwirten weiterhin für Ackerbau genutzt werden und die Anlagen gleichzeitig klimafreundlichen Strom aus Sonnenkraft liefern.

Der Anbieter „Next2Sun“ aus Dillingen (Saarland) gilt als Pionier bei der Vermarktung dieser Agri-PV-Anlagen-Technologie. Doch jetzt die niederschmetternde Nachricht: Die Firma für Solarenergie hat wegen Finanzierungsproblemen für Teile des Unternehmens Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt.

Der Grund für die Pleite der Solarfirma

Gegenüber BILD bestätigt Geschäftsführer Sascha Krause-Tünker (49): „Wir mussten für zwei Gesellschaften Insolvenz anmelden.“ Trotz breiter Unterstützung von Aktionären, Investoren, Kunden und Geschäftspartnern habe man das nötige Kapital nicht vollständig zusammenbekommen. Als Hauptgrund für die Probleme nennt er die EU-Kommission: „2024 wurde noch unter der Ampel-Koalition beschlossen, Agri-Photovoltaik zu fördern. Das wurde auch damals vom Bundestag und Bundesrat abgesegnet. Doch bis heute hat Brüssel keine Freigabe dafür erteilt.“

Wie es zur wirtschaftlichen Krise kam

Bis 2024 sei alles gut gelaufen. Krause-Tünker: „Unsere Gruppe ist von 2021 bis 2024 im Schnitt um gut 80 Prozent gewachsen. 2024 hatten wir mit über 26 Millionen Euro Gesamtleistung operativ den Break-even-Point, also den Kostendeckungspunkt, erreicht.“ Und weiter: „Nachdem die Förderung politisch beschlossen wurde, sind wir davon ausgegangen, dass unser Wachstum noch beschleunigt wird.“

Stattdessen kam aber der Einbruch: „Von 2024 auf 2025 haben wir uns fast halbiert, weil Aufträge ausgeblieben sind – wegen der unsicheren Förderzusage.“ Dabei sei gerade mit Blick auf die Zukunft erneuerbare Energie so wichtig.

Wer von der Insolvenz betroffen ist

Betroffen von der Insolvenz sind die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH. Nicht betroffen sind nach jetzigem Stand die Next2Sun AG und die Next2Sun Projekt GmbH. Der Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen. Auch die Projektgesellschaften, die bereits realisierte Agri‑PV‑Anlagen betreiben, seien nicht insolvent, betont das saarländische Unternehmen.

Nach eigenen Angaben sind rund 140 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, Polen und Japan bei der Gruppe beschäftigt. Man habe seit 2015 Anlagen mit über 65 Megawatt Peak (MWp) installierter Solarleistung realisiert. Der Vorteil: Die Ost-West-ausgerichteten Module liefern Strom nicht nur mittags, sondern auch morgens und am frühen Abend. Dann sei nach Firmenangaben „das Angebot knapp, die Preise hoch und die Netze nicht ausgelastet“.

So geht es für die Gruppe weiter

„Next2Sun“ bietet ein Komplettpaket – vom Vertrieb der selbst entwickelten und patentierten Technologie bis hin zum Bau und Betrieb von solchen Anlagen. Jetzt sucht es Investoren. Ziel sei es, erklärt Krause-Tünker, „möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“. Er befürchtet aber: „Ganz ohne Personalabbau wird’s wahrscheinlich nicht gehen.“