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Überherrn (Saarland) – Ein deutscher Autozulieferer, der Dachhimmel für Mercedes-Benz produziert, ist pleite. Dadurch gibt es jetzt richtig Ärger zwischen Geschäftsführung und Belegschaft. Die Mitarbeiter drohen mit Streik – stehen bald die Bänder still?

Der Autozulieferer Aios (Automotive Integrated Overhead Systems GmbH) aus Überherrn-Altforweiler steckt in der Insolvenz. Und gerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage streiten sich die Beteiligten heftig. Ergebnis: Am Montag stimmten ganze 97 Prozent der Beschäftigten im Saarland für einen unbefristeten Streik.

Die Geschäftsführung will das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung führen. Dafür hatte das Unternehmen einen Antrag beim Amtsgericht Bremen gestellt. Nun hat die Geschäftsführung drei Monate Zeit, einen Insolvenzplan vorzulegen. Eigenverwaltung bedeutet, dass die bisherige Führung die Sanierung selbst steuert.

IG Metall kritisiert Unternehmen

Und genau das kritisiert die Gewerkschaft heftig. „Hier hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Diejenigen, die es im letzten halben Jahr nicht hinbekommen haben, sollen den Laden jetzt aus dem Schlamassel führen“, sagt Ralf Cavelius (55), der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Völklingen, zu BILD.

Wo die Jobs wegfallen könnten

Der Autozulieferer blickt auf eine 40-jährige Geschichte zurück. Am Hauptsitz im Saarland arbeiten rund 240 Menschen. Dazu gibt es zwei kleinere Werke in Bremen und in Sindelfingen. Insgesamt geht es um etwa 300 Jobs. Aios fertigt Dachhimmel für die Luxus-Modelle von Mercedes-Benz: E- und S‑Klasse, dazu Maybach, so die Gewerkschaft.

Wieso droht jetzt der Streik?

Wie konnte die Situation eskalieren? „Das Unternehmen hatte dem Betriebsrat Informationen zu den Geschäftszahlen vorenthalten“, sagt Cavelius. Schließlich legten die Beschäftigten im September sogar für einen Tag bei einem Warnstreik die Arbeit nieder. Und: „Wir werfen dem Management vor, dass nicht genug gemacht wurde, um weitere Aufträge zu gewinnen“, so der Gewerkschafter. Auf BILD-Anfrage äußert sich der Aios-Geschäftsführer Swen Graf bislang nicht.

Das fordert die Gewerkschaft

„Im Durchschnitt sind die Mitarbeiter seit mehr als 20 Jahren vor Ort beschäftigt“, erklärt Cavelius. Die Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag haben für die Gewerkschafter absolute Priorität – daher die Drohung mit dem Streik: „Wir wollen handlungsfähig sein und nicht nur eine Partei unter vielen in dem Insolvenzverfahren. Und auch Einfluss auf das Verfahren gewinnen.“ Und, wann startet der Streik? Cavelius: „Den Zeitpunkt behalten wir uns vor. Das muss eine Überraschung für den Arbeitgeber bleiben.“