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Campobasso (Italien) – Saß ihr Mörder mit am Tisch? Schaute er zu, wie sie mit jedem Löffel dem Tod näher kam? Sieben Monate, nachdem die 15-jährige Sara Di Vita beim Weihnachtsessen in Italien mit Rizin vergiftet wurde, gibt es neue Ermittlungen in dem Fall.

Am Donnerstag wurde das Haus, in dem die Familie des langjährigen Bürgermeisters der kleinen Gemeinde Pietracatella im Süden des Landes lebte, erneut untersucht. Diesmal sollen Experten aus Deutschland das Rätsel um den Mord an dem Mädchen und ihrer Mutter lösen!

Wissenschaftler reisten mit BKA-Beamten an

Seit dem Morgen ist das Wohngebiet rund um das Anwesen abgeriegelt, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete. Demnach dürfen nur Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin zusammen mit der Staatsanwaltschaft den Tatort betreten.

Im Fernsehen waren die Spezialisten von Kopf bis Fuß in weißer Schutzkleidung gehüllt zu sehen. Nach BILD-Informationen sollen darunter Dr. Christian Herzog, Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren am RKI, und die Rizin-Forscherin Dr. Sylvia Worbs sein. Die deutschen Wissenschaftler seien Anfang der Woche in Begleitung von BKA-Beamten nach Italien gereist.

Das tödliche Gift ist nur schwer zu finden

Können sie nach so langer Zeit noch Spuren des tödlichen Gifts finden? Berichten zufolge wurden unter anderem die Abflüsse im Haus untersucht. Entnommene Proben sollen nach Deutschland gebracht und dort ausgewertet werden. Angeblich hätten die Ermittler den Tathergang bereits rekonstruiert, es würde jedoch an entscheidenden Beweisen fehlen.

Rizin ist nur schwer nachweisbar, dafür umso tödlicher: Bereits eine Prise des Pulvers reicht aus, um die Organe eines Menschen versagen zu lassen. Die Symptome nach dem Weihnachtsessen ähnelten denen einer Lebensmittelvergiftung. Die 15-Jährige starb wenige Tage später, kurz darauf ihre Mutter Antonella (†50). Vater Giovanni Di Vita (55) erkrankte schwer, überlebte aber. Eine toxikologische Untersuchung fiel bei ihm negativ aus. Erst zwei Monate später hatten Forensiker Spuren des Gifts im Blut seiner Tochter und an einem Haar seiner Frau gefunden.

Vater hatte offenbar Feinde

Das Motiv ist unklar, da nicht einmal sicher ist, ob alle Familienmitglieder absichtlich getötet wurden. Eine ältere Tochter, Alice (19), war beim Essen nicht anwesend. In den Fokus würden zudem öffentliche Konflikte aus den zwei Amtszeiten des ehemaligen Bürgermeisters rücken. Der frühere Politiker hatte offenbar Feinde in dem 1200-Einwohner-Dorf. Mehr als 200 Zeugen seien dort in den vergangenen Monaten befragt worden, einige sogar mehrmals hintereinander.