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Der geheime Faktor – Hier haben Rentner die höchste Kaufkraft

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Ein Euro ist ein Euro – von wegen! Längst wissen alle, dass das Geld mit der Zeit an Wert verliert. Doch auch innerhalb Deutschlands ist der Euro nicht überall gleich viel wert. Das spüren vor allem Menschen, die ein festgelegtes Einkommen haben, das sich nicht ohne Weiteres steigern lässt, nämlich Ruheständler. Auf drastische Weise deutlich macht das eine aktuelle Auswertung der DKB Bank.

Die Unterschiede sind beträchtlich. Wer im Ruhestand am richtigen Ort lebt, kann sich für seine Rente deutlich mehr leisten. Unter den 30 größten deutschen Städten schneidet Gelsenkirchen am besten ab. Der für das Bundesland Nordrhein-Westfalen angesetzte durchschnittliche Rentenzahlbetrag von 1614 Euro besitzt dort eine Kaufkraft, die bundesweit 1721 Euro entspricht. Mit anderen Worten: Rentner bekommen zwar nicht mehr Geld überwiesen. Sie können sich davon aber mehr leisten.

Hauptstadt Berlin bildet das Schlusslicht

Auf den weiteren Plätzen folgen Duisburg mit einer Rentenkaufkraft von 1701 Euro und Wuppertal mit 1679 Euro. Auch Mönchengladbach, Bochum und Dortmund liegen weit vorn. Diese hohen Werte ergeben sich aus den relativ niedrigen Lebenshaltungskosten in diesen Städten.

Ganz anders sieht die Rechnung am unteren Ende des Rankings aus. Ausgerechnet die deutsche Hauptstadt bildet das Schlusslicht. In Berlin besitzt der dort angesetzte durchschnittliche Rentenzahlbetrag von 1289 Euro lediglich eine bundesweite Kaufkraft von 1213 Euro. Vor Berlin rangiert München mit 1251 Euro. In Frankfurt am Main sind es 1400 Euro.

„Wie weit die Rente reicht, hängt nicht nur von ihrer Höhe ab, sondern auch davon, wo man lebt. Denn Mieten, Preise für Lebensmittel und andere Lebenshaltungskosten unterscheiden sich spürbar zwischen den Städten“, heißt es bei der DKB Bank.

Zu beachten: Bei den Zahlen handelt es sich um Näherungswerte. Wie schwer es Rentner konkret in einer Stadt haben, lässt sich allein daraus noch nicht ablesen. Denn die DKB-Untersuchung legt jeder Kommune den durchschnittlichen Rentenzahlbetrag des jeweiligen Bundeslands zugrunde, wie ihn die Deutsche Rentenversicherung veröffentlicht. Es handelt sich also nicht um die tatsächlich durchschnittlich gezahlte Rente der betreffenden Stadt.

Wie gewaltig der reine Wohnort-Effekt ist, zeigt deshalb eine zweite Rechnung besonders gut. Die DKB schickt dafür gewissermaßen denselben 1000-Euro-Schein auf Deutschlandreise.

In Chemnitz besitzen 1000 Euro eine Kaufkraft von 1094 Euro, bezogen auf das bundesweite Preisniveau. In München reicht derselbe Betrag dagegen nur so weit wie 807 Euro im deutschen Durchschnitt. Allein der Wohnort erzeugt damit einen Kaufkraftunterschied von 287 Euro. Oder anders ausgedrückt: Der Chemnitzer Rentner kann sich mit denselben 1000 Euro rechnerisch rund 36 Prozent mehr leisten als der Münchner.

Dass dahinter keineswegs nur ein Ost-West-Gefälle steckt, zeigt der Vergleich von Städten innerhalb desselben Bundeslands. Besonders anschaulich ist Nordrhein-Westfalen. Für Gelsenkirchen und Köln verwendet die Untersuchung denselben nordrhein-westfälischen Rentenzahlbetrag von 1614 Euro. In Gelsenkirchen erreicht diese Rente jedoch eine Kaufkraft von 1721 Euro, in Köln lediglich 1471 Euro. Das macht Monat für Monat 250 Euro Kaufkraftunterschied.

Ein ähnliches Bild bietet Bayern. Der dort angesetzte Rentenzahlbetrag von 1550 Euro kommt in Nürnberg auf eine Kaufkraft von 1487 Euro. In München sind es nur 1251 Euro. Differenz: 236 Euro.

Der entscheidende Faktor sind die regional stark unterschiedlichen Lebenshaltungskosten. Besonders die Wohnkosten schlagen ins Kontor. Wo Mieten und andere Kosten überdurchschnittlich hoch sind, schrumpft der reale Wert der Rente zusammen. In München liegt das Wohnkostenniveau deutlich über dem Bundesdurchschnitt, in Chemnitz deutlich darunter.

Frauen haben im Alter weniger Kaufkraft als Männer

Dabei zeigt die Studie noch ein zweites Gefälle. In sämtlichen 30 untersuchten Großstädten liegt die errechnete Rentenkaufkraft von Frauen unter jener von Männern. Im Durchschnitt der Städte beträgt die Differenz 433 Euro. Am größten ist die Lücke in Gelsenkirchen mit 533 Euro, gefolgt von Duisburg mit 527 Euro und Mannheim mit 521 Euro. In Berlin beträgt der Unterschied dagegen 189 Euro.

Ursache dieser Differenz ist in diesem Fall nicht das Preisniveau, am selben Wohnort gelten für beide Geschlechter selbstverständlich dieselben Preise. Vielmehr fließen in die Berechnung die unterschiedlichen durchschnittlichen Rentenzahlbeträge von Frauen und Männern auf Bundeslandebene ein.

Erweitert die DKB ihr Ranking von den 30 auf die 50 größten Städte Deutschlands, bekommt Gelsenkirchen zudem Konkurrenz. Hagen übernimmt mit einer Rentenkaufkraft von 1727 Euro die Spitze, es folgt Hamm mit 1722 Euro, Gelsenkirchen landet mit 1721 Euro nur noch auf Rang drei. Dahinter folgen der Regionalverband Saarbrücken mit 1703 Euro und Duisburg mit 1701 Euro.

Auf unserer Karte sehen Sie für Deutschlands 50 größte Städte, wie viel der jeweilige durchschnittliche Rentenzahlbetrag tatsächlich an Kaufkraftwert besitzt.

Für die Untersuchung kombiniert die DKB Daten aus zwei verschiedenen Quellen und Zeitständen. Die Rentenzahlbeträge stammen von der Deutschen Rentenversicherung Bund und beziehen sich auf den Rentenbestand Ende 2025. Herangezogen werden Altersrenten bei mindestens 35 Versicherungsjahren. Die örtlichen Lebenshaltungskosten basieren auf dem Regionalen Preisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für 2024.

Mit der richtigen Postleitzahl steigt die Kaufkraft

Die Rechnung dahinter ist verhältnismäßig einfach: Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag wird mit 100 multipliziert und anschließend durch den regionalen Preisindex geteilt. Ein Kaufkraftwert von beispielsweise 1721 Euro besagt somit, dass die angesetzte Rente vor Ort dieselbe Kaufkraft besitzt wie 1721 Euro bei durchschnittlichen Preisen in Deutschland.

Für Ruheständler steckt darin eine wichtige Botschaft: Nicht nur die Höhe der eigenen Rente entscheidet über den Lebensstandard. Auch die Postleitzahl wird im Ruhestand zu einer Art zweitem Rentenfaktor. Wer seinen Wohnort frei wählen kann, kann deshalb seine finanzielle Situation verändern, ohne einen einzigen Euro mehr Rente zu bekommen.

Aus der Studie lässt sich noch eine zweite Schlussfolgerung ziehen: Wer weiß, dass er im Ruhestand in einer teuren Stadt leben wird, sollte rechtzeitig privat vorsorgen. So lässt sich die Kaufkraftlücke schließen. Das Sparpotenzial dafür ist vorhanden, wie neu vorgelegte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Demnach können deutsche Privathaushalte relativ viel von ihrem Bruttoeinkommen zurücklegen.

Mit 18,9 Prozent war die Bruttosparquote im Jahr 2025 deutlich höher als im EU-Durchschnitt, wo 14,3 Prozent des Bruttoeinkommens gespart wurden. In Frankreich sparten die privaten Haushalte im gleichen Jahr 17,8 Prozent ihres verfügbaren Bruttoeinkommens, in Italien 10,8 Prozent.

Vielfach kommt es in Deutschland also gar nicht darauf an, ob auf Konsumausgaben verzichtet werden kann, sondern ob das Gesparte auch langfristig investiert wird – mit der Chance auf höhere Renditen und einen Wertzuwachs, der den Kaufkraftverlust des Euro ausgleicht.

Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Daniel D. Eckert ist Finanzredakteur in Berlin. Er ist Investor aus Leidenschaft und berichtet über Geldanlage, Aktien und ETFs, Vermögen und Reichtum, Gold, Bitcoin sowie Kryptowährungen. Er ist Co-Host des WELT-Podcasts „Alles auf Aktien“.