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„Das vernichtet Hunderttausende Jobs“ – Wirtschaft kritisiert Vorschläge für Minijob-Abschaffung

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Der Handelsverband HDE kritisiert die Vorschläge zur Abschaffung von Minijobs. Dies sei ein gefährlicher Irrweg, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. „Das vernichtet Hunderttausende Jobs im Einzelhandel. Denn viele Minijobber können beispielsweise wegen fehlender Möglichkeiten zur Kinderbetreuung gar nicht Vollzeit arbeiten.“

Auch für viele Rentner und Studenten würde ein wichtiges Standbein ihrer Alltagsfinanzierung wegfallen. Für Unternehmen der Branche würde die Möglichkeit genommen, Spitzenzeiten ‌abzufedern. „Es kann und darf nicht das Ziel sein, den Arbeitnehmern und den Handelsunternehmen in diesen ohnehin wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Leben noch schwerer zu machen.“

Am Samstag waren erste Details aus den Vorschlägen der Rentenkommission durchgesickert, die die Bundesregierung als Grundlage für Reformen nehmen will. ‌Insidern zufolge soll die Sonderstellung für Minijobs mit Ausnahme für Schüler abgeschafft werden.

800.000 Minijobber allein im Einzelhandel

Minijobber entrichten für Einkünfte von bis zu 603 Euro im Monat weder Steuern noch Sozialabgaben. Arbeitgeber zahlen stattdessen pauschale Abgaben und Steuern. Minijobber erwerben ‌in der Regel keine oder ‌nur sehr geringe Rentenansprüche.

Im Einzelhandel arbeiten derzeit laut HDE 800.000 Minijobber. Die Vorschläge der Rentenkommission ‌dazu seien nicht zu Ende gedacht, so Genth.

Auch der Sozialverband Deutschland und die Gewerkschaft Verdi reagieren enttäuscht auf die Vorschläge der Rentenkommission. Verdi-Chef Frank Werneke sagte, im Kern gingen die Pläne an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Menschen vorbei. „Deutlich abzulehnen sind die Vorschläge, das Renteneintrittsalter schrittweise anzuheben.“ In vielen Berufen seien die körperlichen und psychischen Belastungen so hoch, dass schon ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren für viele Menschen unerreichbar sei.

Die zentralen Vorschläge der Rentenkommission waren am Samstagabend bekannt geworden, offiziell vorgestellt werden sollen sie erst am Dienstag. Zu den 30 Vorschlägen zählt etwa ein Anheben des Rentenalters gekoppelt an die Lebenserwartung. Ein Teil der Rentenbeiträge soll künftig am Aktienmarkt angelegt werden. Wegfallen soll den Empfehlungen zufolge der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, bekannt als „Rente mit 63“.

Verdi-Chef findet Minijob-Abschaffung hingegen richtig

Werneke sieht in den Vorschlägen auch Positives. „Es gibt aber auch ein paar Lichtblicke: neben Selbständigen sollen offenbar auch Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Das ist wichtig für das Vertrauen in das System und auch hilfreich, wenn diejenigen, die politische Entscheidungen treffen, im selben System versichert sind“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands, Michaela Engelmeier.

Auch Werneke lobte diesen Vorschlag. Er unterstütze allerdings auch den Vorstoß, Minijobs – mit Ausnahme für Schüler – abzuschaffen. Das sei absolut richtig. „Denn diese Erwerbsform führt heute millionenfach zu vorprogrammierter Altersarmut.“