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Berlin – Er saß in U-Haft und kam wieder frei. Wenige Tage nach dem CSD-Anschlag in Berlin sind der Fall Ballout und der aus heutiger Sicht erstaunlich laxe Umgang mit dem Terrorverdächtigen ein Politikum. Jetzt spricht sein Anwalt, sagt, er könne selbst kaum fassen, dass der 21-Jährige freigelassen wurde: „Ich fühle mich wie im falschen Film“, sagt Yalcin Geyhan. Er hatte den Islamisten noch im Mai vor Gericht vertreten. Jenen, der am Samstag mit einem gemieteten Citroën-Van in die Besucher der Parade raste, eine Frau tötete und mehr als 30 Menschen verletzte.

Geyhan sagt laut „Süddeutscher Zeitung“, die Verhandlung und seine Gespräche mit dem späteren Killer in der JVA Plötzensee in Berlin seien ihm immer wieder im Kopf durchgegangen. Ruhig und aufgeräumt habe Ballout gewirkt, ihm aufmerksam zugehört.

Abdul Ballout war ein Manipulator

Drei Jahre Haft hatte die Generalstaatsanwaltschaft für den Islamisten gefordert, ein Jahr und zehn Monate wurden nach Jugendstrafrecht im Mai verhängt. Aber absitzen musste er davon fast nichts: Das Amtsgericht ließ ihn wegen einer Vorbewährung frei. Ein Justizirrsinn, der selbst Ballouts Anwalt überraschte.

Wie Yalcin Geyhan der „SZ“ weiter sagte, habe der Richter ernsthaft mit sich gerungen und seinem Mandanten eingeschärft, dass dies seine letzte Chance sei. Und Abdul Ballout gab vor, die Chance „zu hundert Prozent“ nutzen zu wollen. Er habe eine schwierige Zeit durchlebt, sei nach der Trennung seiner Eltern sozial abgerutscht und „manipuliert“ worden. Heute sagt der Anwalt: „Dabei war Abdul B. der Manipulator.“

Terrorist raubte und prügelte als Jugendlicher

Denn aus dem in Berlin geborenen Jungen war längst ein gnadenloser Terrorist geworden. Wurden die Anzeichen dafür übersehen? Sicher ist: Ballout war schon als Jugendlicher auffällig. Nach Recherchen des „Spiegel“ war er 2019 in eine brutale Schulhofprügelei verwickelt, raubte ein Jahr später die Airpods eines Jugendlichen und beschäftigte sich bereits mit radikalen islamistischen Inhalten, missionierte für den Islam auf der Straße. Später wollte Ballout sich dem „Islamischen Staat“ anschließen – und er ging auf Pilgerreise nach Mekka und Medina. Ein Foto soll ihn dort zeigen.

Auch ein zweites Foto ist brisant: Ballout in Kampfmontur im Libanon. Die libanesischen Behörden verhafteten Ballout, Kampfname „Abu Ibrahim al-Qahtani“. Ein Militärgericht verurteilte ihn wegen „Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten“ zu drei Monaten Haft und einer Geldstrafe. Als er Ende 2025 nach Deutschland zurückkehrte, nahm ihn die Polizei am Flughafen fest. Und Mitte Mai ließen ihn die Richter wieder laufen. Mit fatalen Folgen.