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Berlin – Rotwein, Zigarrenrauch, schwerer Luxus. Im noblen Ritz-Carlton am Potsdamer Platz steht eine überdimensionale Cognac-Flasche auf dem Tresen: eine Sonderedition von „Rémy Martin“, angeblich 35.000 Euro teuer. Daneben lehnt lässig ein Mann, dessen Familienname für einige der spektakulärsten Verbrechen Deutschlands steht: Clan-Patriarch Issa Remmo (58).

Remmo hat das Luxushotel als Treffpunkt vorgeschlagen. Die Raucher-Lounge des Ritz ist ein Lieblingsort von ihm; man kennt ihn hier, den Clan-Boss. An Geld scheint es ihm nicht zu fehlen. Er trinkt Rotwein, zündet sich eine Zigarre an, ich fotografiere ihn neben der Cognac-Flasche und beim Rauchen.

Ganz wohl war mir, dem BILD-Reporter, bei diesem Treffen zunächst nicht. Denn erst eine Woche zuvor hatte ich Remmo in einer Tempelhofer Teestube interviewt. Damals ging es um seine angeblichen Kontakte zum Berliner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (47), ich hatte ihn auf der Straße angesprochen, eine zunächst unangenehme Situation. Jetzt meldete sich der Clan-Patriarch über einen Kontaktmann erneut. Er habe noch Gesprächsbedarf.

Und ich will wissen, was er noch zu erzählen hat über sich, seine teils kriminelle Familie und die Kontakte zur Linken, die jetzt vielleicht bald die Hauptstadt regieren wird.

Zwei Stunden mit dem Clan-Patriarchen

Der Name Remmo steht seit Jahren für schwere Clan-Kriminalität. Angehörige stahlen 2017 die 100-Kilo-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum und waren 2019 am Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe beteiligt. Familienmitglieder wurden außerdem wegen Raubüberfällen, Körperverletzungen sowie Drogen- und Waffenhandels verurteilt.

Issa Remmo distanziert sich von diesen Taten. Das seien seine Neffen gewesen, keiner seiner 13 Söhne, sagt er. „Wenn einer bei Aldi oder Kaufland klaut, weil er Hunger hat, verstehe ich das. Aber das in Berlin und Dresden waren Kulturgüter. Ich bin dagegen.“

Remmo selbst bestreitet jede Beteiligung an den spektakulären Verbrechen seiner Angehörigen, zeigte mir bei unserem ersten Treffen sogar zwei saubere Führungszeugnisse. Wer mit Bezirks-Verantwortlichen etwa in Neukölln spricht, hört viele heftige Zweifel an diesem Saubermann-Image. Nur: Beweisen können sie es dem Clan-Chef nicht.

Jetzt sitzt er mir gegenüber, die Zigarre in der Hand, schaut freundlich. Zwei Stunden lang erzählt er von seinen politischen Kontakten, seinen Immobilien und seiner Enttäuschung über die Linke, sein Leben.

Ich höre zu. Doch vieles, was Remmo behauptet, lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Besonders heftig greift er Ferat Koçak an, der zuletzt wegen seiner Kontakte zum Remmo-Umfeld in die Kritik geraten war: „Hätte er gesagt: ‚Ich kenne Issa‘, dann hätte man ihn für seine Ehrlichkeit respektiert. Aber Ferat Koçak lügt.“

„Keiner hat mich weggeschickt“

Remmo war bei einer Wahlparty der Linken in Berlin aufgetaucht. Fotos zeigten ihn mit Victory-Zeichen. Die Parteiführung erklärte anschließend, man habe ihn der Feier verwiesen. „Keiner hat mich weggeschickt. Ich habe da gefeiert. Sie sollen die Person zeigen, die mich weggeschickt hat“, widerspricht Remmo.

Sein Sohn Firas veröffentlichte kurz darauf einen Chat mit Koçak. Darin wurden Herzchen verschickt, der Politiker schrieb an Firas: „Respekt an Deinen Vater.“ Offenbar hatte es Firas, Remmos erstgeborenem Sohn (verurteilt wegen Diebstahls mit Waffen, Körperverletzung und Sachbeschädigung), nicht gefallen, wie man seinen Vater verleugnet hatte. „Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team“, schrieb er dazu.

Koçak erklärte daraufhin, er habe nicht gewusst, mit wem er da geschrieben habe und wer dessen Vater sei.

„Koçak kam zu mir ins Büro“

Remmo sagt dazu, dass das eine glatte Lüge sei: „Koçak kam zu mir ins Büro. Mehr als eine Stunde haben wir diskutiert. Nicht über Drogen und Waffen, sondern über Politik, Sozialismus und Enteignungen.“ Koçak antwortete nicht auf eine BILD-Anfrage dazu, ob dieses Treffen stattgefunden hat.

„Mit Enteignungen kenne ich mich ja aus“, sagt Remmo. Er spielt auf 77 Immobilien an, die die Behörden im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Großfamilie eingezogen haben. Hintergrund waren Zweifel an der legalen Herkunft der Kaufgelder. Die Familie wehrt sich juristisch.

Woher stammt das Geld?

Woher stammt aber denn nun Issa Remmos Geld? Remmo erzählt, wie er 1983 mit seinen 14 Brüdern vor dem Bürgerkrieg im Libanon floh und nach West-Berlin kam. Zunächst habe die Familie zehn Jahre nicht arbeiten dürfen. Später verdiente er nach eigenen Angaben Geld mit einem Currywurst-Imbiss namens „Bei Papa“ („120 Kilo Pommes am Tag!“) und einer Security-Firma. Heute lebe er „von Immobilien“.

Ob seine Unternehmergeschichte die Herkunft seines Vermögens vollständig erklärt, bleibt offen. Gerade die Finanzierung zahlreicher Clan-Immobilien beschäftigte ja Ermittler und Gerichte. Remmo hält jedenfalls die staatlichen Einziehungen der Immobilien zumindest seines Teils der Großfamilie für unrechtmäßig. „Wenn Deine Mutter Dir 150.000 Euro gibt, die sie ein Leben lang gespart hat, kannst Du dann nachweisen, wo genau dieses Geld herstammt?“, fragt er rhetorisch.

„Die Linke hat mich verloren“

Ausgerechnet der Immobilienbesitzer Remmo will dann Wahlkampf für die Linke gemacht haben – eine Partei, die Enteignungen großer Wohnungskonzerne fordert.

Er habe Menschen angerufen und angeschrieben, damit sie die Linke wählen. Bei einer Hochzeit seines Sohnes mit angeblich 3000 Gästen habe er die Wahlempfehlung ausgesprochen. Dazu passt sein Auftreten bei der Wahlparty mit Victory-Zeichen. Nach dem Motto: Seht her, wir haben es geschafft!

Jetzt sei damit Schluss: „Ich werde die Linke niemandem mehr empfehlen. Lügen haben kurze Beine. Ich habe nicht die Linke verloren, die Linke hat mich verloren.“

Remmo behauptet, davor jahrelang die CDU unterstützt zu haben. Nach einem Besuch im Berliner Abgeordnetenhaus 2025 habe man ihn ebenfalls verleugnet. Ein CDU-Lokalpolitiker hatte damals erklärt, nichts von Remmos geplantem Erscheinen gewusst zu haben.

Der Clan-Patriarch stellt sich als politisch bestens vernetzt dar, Koçak sei da nur eine kleine Nummer. Als Beleg zeigt er ein Foto mit dem früheren DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel (74) und seinem Sohn Firas bei einem Restaurantbesuch im Jahr 2024.

Jetzt will Remmo eine eigene Partei

Seine neueste Ankündigung: „Bei der nächsten Wahl wähle ich mich selbst. Wenn ich den deutschen Pass bekomme, gründe ich meine eigene Partei.“ Stehen bald die „Freien Remmokraten“ zur Wahl? Nein, seine Partei soll „Der Weg zum Licht“ heißen.

Und Remmo verspricht vollmundig: „Ich werde mit dem Drogenhandel aufräumen, von Bremerhaven bis Hamburg. Und ich werde mit allen Parteien an einem Strang ziehen.“ Große Worte eines Mannes, dessen Familienname seit Jahren mit schwerer Kriminalität verbunden ist.

Koçak hat inzwischen den Innenausschuss des Bundestages verlassen, nach Parteiangaben freiwillig. Die Linke stellt sich weiter hinter ihren Abgeordneten. Weder Koçak noch seine Partei beantworteten BILD-Anfragen zu Remmos Angaben.