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Ceuta – Die Warnungen lagen offenbar auf dem Tisch – doch die Regierung von Pedro Sánchez (54) reagierte nicht. Nach Informationen der spanischen Zeitung „The Objective“ hatten Militär- und Geheimdienste bereits Tage vor dem Massenansturm auf Ceuta vor einer möglichen Migrationswelle gewarnt. Hinweise auf Tausende Menschen, die sich aus Marokko Richtung Grenze bewegten, sollen ignoriert worden sein.

Laut Bericht hatten die Nachrichtendienste schon Tage zuvor ungewöhnliche Entwicklungen registriert. So sollen zahlreiche Reisebusse Tausende Menschen in die marokkanische Grenzstadt Castillejos gebracht haben. Gleichzeitig seien immer mehr Migranten schon vor dem Massenansturm schwimmend nach Ceuta gelangt. Die Geheimdienste werteten dies demnach als Testlauf und warnten die Regierung mehrfach vor einem unmittelbar bevorstehenden Massenansturm.

Trotzdem will die Regierung von den Warnungen nichts gewusst haben. „Wir hatten keinerlei Informationen“, sagte ein hochrangiges Regierungsmitglied gegenüber „El País“. Dabei sollen auch Guardia Civil und Ceutas Regierungschef Juan Jesús Vivas mehrfach gewarnt haben. Die Regierung war jedoch mit einer anderen Krise beschäftigt: Heftige Waldbrände hielten mehrere Regionen Spaniens in Atem, fast 100.000 Menschen mussten evakuiert werden. Auch das für den Grenzschutz zuständige Innenministerium soll sich eine Woche lang auf die Brände konzentriert haben – während die Lage an der Grenze zu Marokko eskalierte.

Sicherheitskräfte völlig überfordert

Als schließlich Zehntausende illegale Migranten gleichzeitig die Grenze stürmten oder durchs Meer nach Ceuta gelangten, waren Guardia Civil und Polizei nach übereinstimmenden Berichten völlig überfordert. Sicherheitskreise kritisieren nun, dass die Regierung die Armee nicht schon zu Beginn eingesetzt habe, obwohl Einheiten in Ceuta und Melilla einsatzbereit gewesen seien.

Brisant sind auch Aussagen von Beamten vor Ort: Dem Bericht zufolge hätten marokkanische Grenzkräfte den Ansturm teilweise tatenlos beobachtet. Videos sollen zeigen, wie Sicherheitskräfte den Verkehr regelten, während Hunderte Migranten ungehindert Richtung Grenze liefen. Die spanische Regierung betont dagegen weiterhin die „enge und loyale Zusammenarbeit“ mit Marokko.

Klingbeil lobt Sánchez’ „entschlossenes Handeln“

Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete den Massenansturm als „Angriff auf die territoriale Integrität Spaniens“. Verantwortlich machte er vor allem Schleusernetzwerke, die Menschen gezielt zur Überfahrt bewegt hätten. Gleichzeitig kündigte seine Regierung zusätzliche Grenzsicherungen und mehr Personal an.

Unterstützung für Sánchez kommt derweil von SPD-Co-Chef Lars Klingbeil (48). Der lobte den spanischen Ministerpräsidenten, der „mit entschlossenem Handeln“ dafür gesorgt habe, dass der allergrößte Teil der Menschen innerhalb kürzester Zeit wieder nach Marokko zurückgekehrt sei. Dies verdiene „Respekt und volle Solidarität“.