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„Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu uns: Wir brauchen Euch eigentlich nicht“

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Rheinmetall-CEO Armin Papperger hat schwere Kritik an der Haltung der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geübt. „Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu uns: Wir brauchen Euch eigentlich nicht – wenn es ein Problem gibt, rufen wir die Amerikaner an“, sagte Papperger auf dem WELT-Sicherheitsgipfel am 2. Juli. Die Abhängigkeit von Amerika sei gewollt gewesen.

Vor Beginn des Ukrainekrieges 2022 habe es keinen „großen Bedarf an Waffensystemen in Deutschland selbst“ gegeben. Man habe Rheinmetall und andere deutsche Rüstungsunternehmen in „die Schmuddelecke gestellt“, weil „wir als Industrie exportiert haben“. „Man wollte uns hier in Deutschland eigentlich gar nicht haben“, kritisiert Papperger.

Nach der russischen Vollinvasion der Ukraine rief der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die „Zeitenwende“ aus, die zu einer massiven Ausweitung der Rüstungsausgaben in Deutschland führte. In einem ersten Schritt kündigte die von Scholz geführte Ampel-Regierung ein Schuldenpaket in Höhe von 100 Milliarden Euro, das sogenannte „Sondervermögen“, an. Es markierte eine historische Zäsur in der deutschen Nachkriegspolitik.

Nach der vergangenen Bundestagswahl folgte ein weiteres Schuldenpaket in Höhe von 500 Milliarden unter der Initiative von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), das weitere Ausgaben für Rüstung vorsieht. Rheinmetall als größter deutscher Waffenhersteller profitierte stark von der Entwicklung: Der Aktienkurs stieg seit 2022 um mehr als 1000 Prozent. Auch der Umsatz stieg von 6,41 Milliarden Euro (2022) auf 9,94 Milliarden Euro.

Papperger: „Geschwindigkeit ist der entscheidende Punkt“

In der aktuellen Lage fordert Papperger mehr Tempo: „Wir haben für eine halbe Milliarde ein Artilleriewerk hingestellt und von Deutschland zurzeit leider nur einen Auftrag über 200.000 Schuss.“ Das funktioniere so nicht, „weil wir als Industrie dann natürlich sagen: Wieso tun wir das denn?“ Das Investment müsse sich „ja irgendwann mal rechnen. Und da würde ich einfach bitten, dass wir schneller werden.“

„Geschwindigkeit ist der entscheidende Punkt“, so Papperger. „Die Ukraine ist schnell – benutzt schnell alle möglichen Effektoren.“ Deutschland aber brauche „zu lange von der Entwicklung bis zur Gefechtsreife“. Er bitte darum, „dass wir schneller werden. Wir wollen alle schnell sein, wir investieren sehr viel Geld, aber ich glaube, es ist immer noch so, dass 50 Prozent in der ganzen Organisation immer noch nicht verstanden haben, wie schnell wir sein müssen.“ Da helfe nur „Führen von oben“. Papperger kritisierte zudem die fehlende Planungssicherheit: „Wir brauchen dringend mehr Planungssicherheit. Viele Verträge sind Rahmenverträge, keine festen Zusagen. Das muss sich ändern.“

Auch die aktuelle Konsolidierung in Europa sieht Papperger kritisch: „Die Konsolidierung in Europa funktioniert nicht. Jeder will seine eigene Fabrik haben. Das macht Konsolidierung schwer.“ Man dürfe nicht alles in „Deutschland bündeln“, sondern müsse „verteilt auch in anderen Ländern produzieren“. Als Beispiel nannte Papperger, der seit 2013 CEO von Rheinmetall ist, Länder in Osteuropa wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn. Nur so schaffe man „maximale Sicherheit“.

„Wir sind besser, als die Pessimisten denken“

Gleichzeitig sieht der Rheinmetall-CEO auch Verbesserungen: „Wir haben die Amerikaner bei der konventionellen Munition überholt und sind inzwischen besser aufgestellt als sie.“ Die Kapazitäten seien von „jährlich 70.000 auf eine Million Schuss Artilleriemunition erhöht“ worden. „Wir sind besser, als die Pessimisten in Deutschland denken.“

Am 2. Juli berieten beim zweiten WELT-Sicherheitsgipfel im Berliner Axel-Springer-Haus führende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und dem Sicherheitssektor über die Zukunft Europas in einer sich wandelnden Welt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Sicherheit künftig verstanden und gestaltet werden kann – von militärischer Verteidigungsfähigkeit über Cyber- und Energiesicherheit bis hin zu stabilen Lieferketten und Zivilschutz.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Wirtschaftsredakteur Benedikt Fuest berichtet regelmäßig über das KI-Rennen, Technologie und Rüstung.

Moritz Seyffarth ist Chefredakteur von BUSINESS INSIDER Deutschland.

Thore Barfuss ist leitender Redakteur Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“.