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Bremen – Diese Wohlfühloase in sanften Grüntönen, schicken Tischchen und einer schwungvollen Sofagarnitur sorgt für Aufsehen! Im Jobcenter-Hauptsitz in Bremen ist ein sogenannter „Kreativraum“ mit allerlei Pflanzen und kuschligem Teppichboden entstanden – Kosten-Hammer: satte 921.335 Euro. Und das für eine Fläche von rund 300 Quadratmetern.

Das Besondere: Auf Fotos ist oft nur ein kleiner, unscheinbarer Teil der Fläche zu sehen. Doch hinter den Kulissen steckt ein deutlich größeres Projekt mit Designmöbeln, Meeting-Zonen und moderner Technik. Laut Jobcenter kommen in den Räumlichkeiten regelmäßig Mitarbeiter und Gäste zu Seminaren, Workshops, Teamsitzungen und Führungskräfteveranstaltungen zusammen.

Der Kreativraum erstreckt sich über mehrere Bereiche, getrennt durch schallschluckende Vorhänge und massive Wände. In die Decke sind Lautsprecher eingelassen, von einer großen runden Lampe hängen künstliche Pflanzen herab. Besonders auffällig: Dutzende Designerstühle der Marke Vitra, wie auch die „Zeit“ berichtet. Je nach Modell kosten sie im Internet zwischen 450 und 3150 Euro – pro Stück. Das könnte auch eine angesagte Coworking-Räumlichkeit in Berlin-Mitte sein.

Kosten explodierten massiv

Ursprünglich war für das Projekt offenbar ein deutlich niedrigerer Betrag eingeplant. In politischen Unterlagen ist von rund 100.000 Euro die Rede. Am Ende wurde daraus mehr als neunmal so viel. Wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte, wird jetzt von den zuständigen Behörden untersucht.

Später gab das Jobcenter die Kosten öffentlich mit 600.000 Euro an. Doch wie der „Weser-Kurier“ berichtete, soll der Raum knapp eine Million Euro gekostet haben. Besonders brisant: Die Trägerversammlung des Jobcenters – also die Aufsicht aus der Bundesagentur für Arbeit und dem Land Bremen – soll nach eigenen Angaben nicht vollständig über die tatsächlichen Kosten informiert gewesen sein. Das wirft Fragen auf: Wer wusste was? Und wann?

Die Kosten seien aus dem allgemeinen Verwaltungsbudget bezahlt worden. Dieses wird zu knapp 84 Prozent aus dem Etat der Bundesagentur für Arbeit finanziert, den Rest steuert der Bremer Senat bei.

Chef sofort abberufen

Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: Jobcenter-Chef Thorsten Spinn (54) wurde im Juni 2026 mit sofortiger Wirkung abberufen. Offiziell heißt es, es habe einen „Vertrauensverlust“ gegeben. Auch die Bundesagentur für Arbeit reagierte hart: Ein Compliance-Team (Prüfer für regelkonformes Verhalten) wurde nach Bremen geschickt. Zudem wurde die finanzielle Eigenständigkeit des Jobcenters vorübergehend eingeschränkt.

Jetzt sollen Planung, Vergabe und Kosten genau geprüft werden. Auch die Politik kündigt Konsequenzen an: Das Land Bremen hat bereits neue Kontrollregeln angekündigt. Große Ausgaben sollen künftig früher und strenger geprüft werden. Ob es sich hier „nur“ um chaotische Planung oder einen echten Skandal handelt, müssen die laufenden Untersuchungen zeigen.