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Berlin/Leipzig – Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Drohnen-Vorfall vom Flughafen Leipzig/Halle ein Anschlagsversuch im Auftrag Moskaus war. Bisher sprach Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) von „fremden Mächten“, die hinter der Attacke stecken. Nach BILD-Informationen führt die Spur der Sprengstoff-Drohne mutmaßlich zu einem russischen Geheimdienst. Das erfuhr BILD aus Sicherheitskreisen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) wollen heute vor die Öffentlichkeit treten und über den Fall informieren. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ist nicht mit dabei. Wadephul unterbricht eine Dienstreise, um bei der Pressekonferenz zu Leipzig anwesend zu sein. Ursprünglich wäre er bei einem Außenministertreffen in Irland gewesen.

Die neuen Erkenntnisse

Nach BILD-Informationen haben sich die Erkenntnisse der Ermittler inzwischen so weit verdichtet, dass die Bundesregierung den Leipziger Drohnen-Fall einem mutmaßlich russischen Geheimdienst zuschreiben will.

Bislang hatte sich die Bundesregierung mit einer direkten Zuschreibung zurückgehalten. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte allerdings bereits angekündigt, dass die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss stünden. „Und wir werden das in Kürze auch darlegen und uns dazu äußern.“

So kann Deutschland reagieren

Die Konsequenzen gegen Russland werden mit europäischen Partnern abgestimmt. Spekuliert wird über diplomatische Maßnahmen. Dazu könnte gehören, den russischen Botschafter ins Auswärtige Amt einzubestellen. Zudem könnten einzelne Mitarbeiter der russischen Botschaft zu unerwünschten Personen erklärt werden und Deutschland verlassen müssen.

Auch von weiteren Sanktionen gegen Russland in Abstimmung mit anderen EU‑Staaten ist in Diplomatenkreisen die Rede. Wadephul soll dazu im Austausch mit seinen Amtskollegen sein. Merz hatte bereits vergangene Woche angekündigt: „Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf. Sie werden dafür bezahlen.“

Der Fall

Die Sprengstoff-Drohne war in der Nacht zum 5. August auf dem Flughafen Leipzig/Halle gefunden worden. Sie trug rund 600 Gramm Sprengstoff und sollte offenbar eine ukrainische Militär-Frachtmaschine treffen. Der Zünder versagte. Ursprünglich ging man davon aus, dass eine zweite Drohne mutmaßlich mit einer DHL-Frachtmaschine kollidierte. Diese Vermutung hat sich aber nicht bestätigt. Zehn Tage später wurde in Kabelsketal (Saalekreis) eine weitere Drohne entdeckt. Auch dort stellten Ermittler Sprengstoff sicher.

In Kursdorf nahe dem Flughafen fanden Ermittler zudem eine technische Konstruktion, die möglicherweise zur Steuerung einer Drohne genutzt wurde. Die Ermittler prüfen auch mögliche Verbindungen zu weiteren Vorfällen in Europa. Nach BILD-Informationen gibt es direkte Verknüpfungen zu Drohnen- und Sprengstofffunden sowie anderen Vorfällen, unter anderem in Rumänien. Nachrichtendienstliche und weitere Ermittlungsmaßnahmen im In- und Ausland laufen parallel weiter.