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Montreal – Mitten in der Urlaubszeit kämpft die Luftfahrt mit einem ungewöhnlichen Engpass: Flugzeugfenster werden knapp. Airlines, Flugzeugbauer und Wartungsbetriebe müssen sich auf längere Lieferzeiten und höhere Preise einstellen. Auslöser der Knappheit ist ein Zwischenfall beim Zulieferer GKN Aerospace im kalifornischen Garden Grove: Ende Mai überhitzte dort ein Tank mit einer leicht entzündlichen Chemikalie. Die Fensterproduktion wurde vorübergehend gestoppt.

Wegen Explosionsgefahr mussten zeitweise rund 50.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Inzwischen läuft das Werk zwar teilweise wieder, die volle Produktion soll jedoch erst bis Ende 2026 erreicht werden. GKN liefert unter anderem Fenster für die Boeing 737 MAX sowie die Airbus-Modelle A220 und A350.

Wie wichtig intakte Kabinenfenster sind, zeigte sich erst am 10. Juli: Schockbilder aus einer Ryanair-Maschine hatten für Aufsehen gesorgt. Auf dem Flug von Thessaloniki nach Memmingen löste sich kurz nach dem Start ein Kabinenfenster. Durch den Druckverlust fielen Sauerstoffmasken von der Decke. Ein 61-jähriger Passagier wurde teilweise aus der Öffnung gezogen und verletzt. Mitreisende hielten ihn fest und zogen ihn zurück.

Die Boeing 737-800 der Ryanair-Tochter Malta Air kehrte sicher nach Thessaloniki zurück. Die Ursache wird noch untersucht. Mit dem aktuellen Lieferengpass steht der Zwischenfall nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Zusammenhang.

Müssen Urlauber jetzt Flugausfälle fürchten?

Auch eine breite Ausfallwelle ist bislang nicht absehbar. Boeing soll Airlines jedoch geraten haben, Fenster nur bei dringendem Bedarf und nicht allein wegen optischer Schäden auszutauschen. Lufthansa Technik erklärt: „Die Lieferzeiten haben sich erheblich verlängert, während die Beschaffungskosten deutlich gestiegen sind.“

Verfügbare Teile würden vor allem für Maschinen bereitgestellt, die andernfalls am Boden bleiben müssten. Einzelne Reparaturen könnten sich jedoch verzögern und für Airlines deutlich teurer werden.