TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Konstanz (Baden-Württemberg) – Hitze und Trockenheit machen derzeit auch dem größten Binnensee Deutschlands zu schaffen. Der Pegelstand des Bodensees liegt deutlich unter den sonst jahreszeitlich üblichen Werten.

Der historische Rekord wurde nach der Hitzewelle bereits geknackt: Denn laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) wurde ein so niedriger Wasserstand in einem Juli noch nicht gemessen. Der bisherige Minimalwert seit den Aufzeichnungen ab 1850 lag nach Angaben der Behörde bei 3,23 Metern – gemessen am 7. Juli 1976. Am Donnerstag waren es bei Konstanz nur 318 Zentimeter. Normalerweise werde der niedrigste Wasserstand zumeist in den Monaten Februar oder März erreicht.

Gegenüber BILD erklärte eine LUBW-Sprecherin: „Typischerweise erwartet man zu dieser Jahreszeit den höchsten Stand. Grund hierfür ist, dass der Niederschlag über Flüsse und Bäche in den See fließt und nicht als Schnee in den Bergen gespeichert wird. Hinzu kommt Schneeschmelze im Gebirge.“

Das sind die Gründe für das Niedrigwasser

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Weniger Schnee, vor allem in den tieferen Lagen der Alpen, und die aktuelle Trockenheit lassen den Bodensee buchstäblich dürsten. Der Alpenrhein als Hauptzufluss zum Bodensee führt laut LUBW aus den genannten Gründen zudem deutlich weniger Wasser als sonst üblich. Die angrenzende Schweiz rief bereits die Trockenheitsstufe 4 („Große Gefahr“) für Teile des Bodensee-Einzugsgebietes aus.

Schiffe fahren noch auf dem Bodensee

Noch mussten die Bodensee-Schifffahrt-Betriebe (BSB) ihre Flotte nicht im Hafen festmachen. Nur die Landestelle Mannenbach kann wegen des niedrigen Wasserstands bis auf Weiteres nicht angefahren werden. Auch die Schiffsbetreiber hoffen natürlich auf Regen. Christopher Pape, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz, sagte auf BILD-Anfrage: „Wir freuen uns natürlich über Sonnenschein. Aber angesichts des Niedrigwassers wäre Regen immer gut. Den brauchen wir derzeit alle – sowohl die Menschen als auch die Natur.“

Eine Prognose, ob die Trockenheit dem Bodensee in diesem Sommer wieder so zusetzen könnte, wie das im Frühling 2025 geschehen ist, will er lieber nicht abgeben. Damals war an einigen Stellen schon der Grund des Gewässers zu sehen. In Konstanz und vielen anderen Teilen des Gewässers schrumpfte der Pegelstand Anfang April 2025 sogar auf 2,72 Meter. Ex-Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) sprach von einer besorgniserregenden Lage.

Der Blick geht also nach oben, ob Wolken endlich das ersehnte Nass bringen. Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) macht aber wenig Hoffnung für die nächsten Tage: Bei Temperaturen zum Teil wieder über 30 Grad sind ausgiebige Schauer eher nicht in Sicht.