Frankfurt/M. – Die Autoindustrie ist der Motor der deutschen Wirtschaft. Doch der Motor stottert. Der Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor hat die Branche in ihre größte Krise seit Jahrzehnten geführt. BILD sprach mit dem hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein (54, CDU) darüber in seinem 46 Jahre alten Mercedes. Ein Auto aus einer Zeit, als der Verbrennungsmotor noch als Garant für Deutschlands industriellen Erfolg galt.
BILD: Was ist das denn für ein Auto, das Sie da haben?
BORIS RHEIN: Das ist ein Mercedes 380SLC, ein Achtzylinder. Der Wagen ist von 1980. Der erste Besitzer war Peter Orloff, der Sänger. Der hat breite Lautsprecher reingebaut, um seine eigene Musik zu hören.
Auto ist ein Symbol für Freiheit
Wie wichtig ist Ihnen ein Auto?
Ich verstehe gar nicht heutige Diskussionen, dass junge Leute sagen, sie haben gar kein Interesse am Auto. Ich finde, das Auto ist ein Symbol für Freiheit. Du steigst in dein Auto ein und du kannst dich hinbegeben, wo du hin möchtest. Und ich meine, es hat auch einen ernsten Hintergrund. Es gibt ländliche Regionen, da fährt maximal alle paar Stunden mal ein Bus.
Was ist Ihnen lieber, Verbrenner oder E-Auto?
Ich habe wenig Bezug zum E-Auto. Wenn ich in meinen Mercedes einsteige, Sie drehen den Zündschlüssel rum und spüren das Auto. Acht brodelnde Zylinder. Trotzdem hat natürlich das E-Auto seine Berechtigung. Am Ende muss das der Käufer entscheiden. Ich finde Verbrennermotoren faszinierend.
Ist Ihnen die Umwelt egal, wenn Sie mit einem Verbrenner fahren?
Nein, natürlich nicht. Dieses Auto gibt es seit 46 Jahren mit einem Motor. 250.000 Kilometer. Nachhaltigkeit at its best. Und ja, das muss man zugeben: Dieser Verbrenner hat natürlich einen ganz anderen Ausstoß, als der Verbrenner ihn heute hat. Der Benzinverbrauch ist in der Zeit um die Hälfte gesunken, der CO₂-Ausstoß fast um die Hälfte. Trotzdem, 46 Jahre. Ich glaube, keiner muss dem Auto und mir erzählen, was umweltbewusster ist.
Politik hat nicht über Technologien zu entscheiden
Seit dem Umstieg in der deutschen Automobilindustrie auf die E-Mobilität kriselt es. Was haben denn unsere Autobauer falsch gemacht?
Es gibt Automobilhersteller wie BMW, die es hinbekommen haben. Die haben gesagt, wir versuchen uns auf beides zu konzentrieren, Verbrenner und E-Mobilität. Wenn wir Deutschen eins konnten und können, dann, den Verbrenner zu bauen. Und er ist immer verbessert worden. Deswegen muss man sehr aufpassen, dass am Ende nicht Politiker darüber entscheiden, was gebaut wird. Am Ende muss es der Markt entscheiden. Am Ende entscheidet der Verbraucher, was für ihn das richtige Fahrzeug ist, was für ihn der richtige Antrieb ist. Die Politik hat Rahmenbedingungen zu setzen, aber sie hat nicht zu entscheiden, welche Technologie am Markt stattfindet und welche nicht.
Das heißt, die Politik greift im Moment zu viel ein?
Das damalige Verbrenner-Aus von der EU, aber sehr stark unterstützt von der damaligen Ampel, war ein schwerer Fehler. Und das ist der Grund, warum wir jetzt auch das Aus vom Verbrenner-Aus herbeiführen wollen. Wir haben den Druck gemacht, dass die EU-Kommission reagiert hat.
Muss die Politik jetzt Volkswagen retten?
Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Schon gar nicht in der jetzigen Haushaltslage. Und bei Volkswagen ist schon sehr viel Staat drin. Ich glaube, wir werden jetzt nicht mit direkten Aktionen Volkswagen unterstützen. Ich glaube auch gar nicht, dass Volkswagen das möchte.
Ist denn Deutschland noch ein Autoland?
Wir kämpfen, wenn wir Wettbewerb mit China haben, mit einem Wettbewerber, der mit unfairen Mitteln arbeitet, nämlich mit einer enormen Staatsunterstützung. Ich glaube, es ist nicht Aufgabe des Staates, Wirtschaft zu betreiben. Es ist die politische Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Auto nicht etwas Negatives ist. Wir haben doch viel zu lange, viel zu oft negativ über das Auto gesprochen. Dabei ist es ein Mittel zur Freiheit, es ist ein Symbol der Freiheit und es ist der Grund unseres Wohlstandes.