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Mailand – Überwachungskameras an Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln sollen uns ein sicheres Gefühl geben: Wir lassen uns in Bussen und Bahnen bereitwillig filmen, damit es zu weniger Gewalt, sexuellen Übergriffen oder Diebstahl kommt – oder die Taten besser aufgeklärt werden können. Dass Angestellte der Verkehrsbetriebe die entstandenen Aufnahmen missbrauchen könnten – daran würden wir wohl als letztes denken. Doch genau das ist jetzt in Mailand passiert.

Italienische Medien berichten über einen widerlichen Spanner-Skandal: Mitarbeiter der Mailänder Verkehrsbetriebe (ATM) sollen in einer Chatgruppe Fotos von Frauen geteilt und diese teilweise anzüglich kommentiert haben. Es kam heraus: Die Bilder stammen aus Überwachungsvideos, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt aufgenommen werden.

Die WhatsApp-Gruppe flog durch einen Zufall auf: Ein weiblicher Fahrgast der Linie 15 beobachtete ein unvorsichtiges Mitglied der Gruppe mit dem Namen „Ticinese Staff“ (bezieht sich auf das Mailänder Stadtviertel Porta Ticinese) beim Chatten. Der Mann trug eine Uniform des Unternehmens und befand sich offenbar gerade in der Pause – sein Smartphone-Display verdeckte er dabei nicht, so dass die Frau mitlesen konnte. Sie erstattete Anzeige.

„Eine Süßigkeit von mir für euch“

Ein in italienischen Medien veröffentlichtes Foto zeigt ein iPhone, auf dem Display ist der Chatverlauf der Gruppe zu sehen. Ganz oben ein (nachträglich verfremdetes) Foto einer Frau in einer Straßenbahn, versehen mit dem Kommentar „Eine Süßigkeit von mir für euch.“ Es folgen anzügliche Kommentare der anderen Gruppenmitglieder.

Nach Bekanntwerden des Skandals reagierte die Verkehrsgesellschaft ATM umgehend und kündigte an, den Vorfall umfassend zu untersuchen. In einer Erklärung schrieb das Unternehmen: „ATM hat bereits Anzeige wegen der missbräuchlichen Verwendung von Bildern aus den Bordkameras durch einige Mitarbeiter erstattet. Parallel dazu wird das Unternehmen auch eine Beschwerde bei der Datenschutzbehörde einreichen.“ Man werde mit voller Entschlossenheit gegen Diskriminierung oder verletzendes Verhalten vorgehen.

Wie viele Mitarbeiter beteiligt waren und über welchen Zeitraum die Fotos geteilt wurden, ist noch unklar.