Berlin – Faule Ausreden, falsche Fährten, Ablenkungstricks und immer neue Nebelkerzen: Beim Versuch, Berlins SPD-Chef Steffen Krach (47) zu einer klaren Ansage gegen den in der Hauptstadt immer schlimmer grassierenden Antisemitismus zu bewegen, musste Markus Lanz (57) Schwerstarbeit leisten.
„Es gibt nur eine Wahlsiegerin, und das ist die Linke!“, erklärte Krach gleich zu Beginn. Bildungsministerin Karin Prien (61, CDU) war sofort alarmiert: „Wahnsinn! Man muss sich das mal überlegen! Da gibt es die Möglichkeit, aus der demokratischen Mitte heraus eine Regierung zu bilden, und Sie koalieren mit einer Partei, die zumindest in Berlin eine radikale Partei ist!“
Prompt zeigte Lanz ein Zitat der umstrittenen Linke-Abgeordneten Vanessa Emde (45), die nach ihrem schlimmen Geschwurbel über das Existenzrecht Israels ankündigte, sie werde sich „weder durch mediale Hetze noch durch Fraktionsausschlussdrohungen“ von ihrer „Kritik“ abhalten lassen. Für Krach kein Koalitionshindernis, denn der Linke-Fraktionsvorstand habe beschlossen, dass es „keine Arbeitsgrundlage mit Frau Emde mehr gibt“. Lanz sofort auf den Punkt: „Heißt das, wenn sie Teil der Fraktion bleibt, gibt es für Sie keine Koalition?“ Krachs kühle Antwort: „Ich kann jetzt nicht einzelne Personalangelegenheiten der Linkspartei klären.“
Doch Lanz hakte nach: „Sie haben jetzt sehr viel gesagt, ohne wirklich was zu meinen!“, kritisierte er. Krach setzte auf Zeitspiel: „Das werden wir in den nächsten Wochen dann miteinander besprechen.“ Lanz genervt: „Ja oder Nein? Ich frage genau nach, weil Sie gelegentlich dazu neigen, Dinge mal so und mal so zu beantworten.“ Krach: „Es ist die Aufgabe der Fraktionsvorsitzenden der Linken, dieses Problem zu lösen.“ Doch wer das Existenzrecht Israels leugne, „mit dem werden wir nicht zusammenarbeiten“, und dann sei davon auszugehen, „dass es dann vermutlich keine Koalition geben wird“.
„Waren Sie überhaupt irgendwas?“
Lanz reichte das nicht: „Sie wollen sich doch auch selbst ernst nehmen!“, zählte er den SPD-Mann an. „Ich nehme Sie auch ernst, aber so kann ich das nicht!“ Krach unschuldig: „Ich verstehe gar nicht, warum, weil, ich habe eine klare Position zum Thema Antisemitismus!“ Doch Lanz ließ das nicht gelten: „Das ist keine klare Position! Wenn die Leute zuhause das sehen, die lachen sich entweder kaputt oder sie wenden sich mit Grausen ab.“
Krach noch einmal ins Ungefähre: „Ich werde dann jedenfalls nicht dafür werben, dass es zu dieser Koalition kommt.“ Lanz vorwurfsvoll: „Sie sind doch der Mann, der so oft dieses Bild von der roten Linie benutzt hat!“ Doch Krach wies das zurück: „Die das gemacht haben, waren andere in diesem Wahlkampf.“
Nun wurde Lanz langsam sauer: „Waren Sie überhaupt irgendwas?“, spottete er. „Ein Teil der Verdrossenheit mit Politik speist sich doch genau aus solchen Situationen! Also Ihre Antwort auf die Frage, wenn sie (Vanessa Emde) drin ist, sind Sie raus, lautet Ja!“ Doch Krach gab erst nach weiterem Hin und Her und dann sichtlich unwillig nach: „Dann werden wir keine Koalition haben“, versicherte er schließlich. Lanz erleichtert: „O.k. Geht doch. Guck mal. Ich freue mich, dass wir ein bisschen zur Aufklärung beitragen konnten.“