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Berlin – Er ragt in der Hauptstadt-CDU heraus: fast 1,90 Meter, Finanzsenator, seit Mai auch Kulturchef, hinter den Kulissen inoffizieller Wahlkampf-Manager – und demnächst wohl auch Spitzenkandidat bei der Berlin-Wahl. Stefan Evers, der Mann nach Kai Wegner! Er soll den Abwärtssog bis zur Berlin-Wahl in zehn Wochen stoppen und den Chefsessel für die Union im Roten Rathaus retten. Oder zumindest dafür sorgen, dass die CDU der nächsten Senatsregierung mit angehört. Es wird vermutlich eine Dreier-Koalition.

Nur auf den ersten Blick wirkt Evers eher bieder. Doch tatsächlich liebt er klare, harte Worte – bis hin zur gezielten Provokation: Als „widerwärtiges Gesindel“ kanzelte er Angreifer auf Polizisten ab, nennt die Enteignungspartei Linke „eine Bedrohung für die Demokratie“. Am Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai marschierte er trotz des Verbots mit einer Ukraine-Fahne zum russischen Ehrenmal, ließ sie sich nur unter Protest abnehmen.

Im Juni postete er auf X ein Foto seiner Musikauswahl im fahrenden Auto: „Unterwegs auf der Sonnenallee, die Fenster weit offen, hebräischer Pop aufgedreht – da kommt Stimmung auf.“ Die Sonnenallee gehört zum Berliner Stadtteil Neukölln, wo viele arabische Migranten leben.

Evers hasste in der Schule Sport

Auf Instagram gibt Evers auch mal private Einblicke, ließ seine Behörde ein Schultütenfoto von ihm posten. Man erfährt zudem, dass er Sport hasste, Geschichte liebte. Als Kind träumte er davon, Pilot zu werden. Dazu sagt Evers heute: „So ist das mit Träumen. Sie verändern sich, doch wichtig ist, dass man Herausforderungen annimmt und mit ihnen wächst.“

Evers war immer loyal gegenüber Wegner. Mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl spitzte er schon mal verbal zu: „Jetzt geht es um unsere Stadt. Übernehmen Radikale die Macht? Die oder wir – darum geht’s.“ Nun ruht alle Hoffnung der Berliner CDU auf ihm.

Erdrutschsieg gelang schon einmal

Schon bei der Wahl 2023 hatte er sich für eine Kampagne mit Klartext-Botschaften entschieden („Berlin, du musst endlich funktionieren“), die die CDU auf überraschende 28,2 Prozent katapultierte. Damit zog die Partei nach 22 Jahren wieder ins Rote Rathaus ein – den Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters. Nicht nur in der Partei ist Evers umtriebig, auch auf Sommerfesten ist er ein häufig gesehener Gast. Da kommt er allein, ohne seinen Mann, umgibt sich gern mit seinem engen Team. Privat cruist er oft im Motorboot über Berliner Gewässer.

Gibt’s Nörgler an seiner Person in den eigenen Reihen? Ganz wenige, nicht einmal in anderen Parteien. Höchstens, dass er trotz markiger Sprüche bisweilen zu viel Beißhemmung habe und zugleich keiner sei, der die Menschen umarme. Das konnte der scheidende Bürgermeister Wegner: Mit jedem plaudern und immer alles versprechen.