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Berlin – 7892 Wohnungen in sechs Monaten. Mit dieser Zahl zieht das Bauministerium von Verena Hubertz (38, SPD) heute Bilanz zum sogenannten „Bau-Turbo“. Aber: Die Zahl hat einen Haken. Die Wohnungen sind weder automatisch genehmigt noch gebaut. Und auch wie viel Zeit der Turbo in der Umsetzung wirklich spart, verrät das Ministerium nicht.

Seit dem 30. Oktober 2025 ist der Bau-Turbo in Kraft. Die Idee: weniger Papierkram, schneller bauen. Kommunen dürfen bei Wohnungsprojekten unter bestimmten Voraussetzungen von bisherigen Vorgaben des Baurechts abweichen. Langwierige Verfahren für neue oder geänderte Bebauungspläne können damit entfallen.

Ampel fiel schon unter Versprechen zurück

Ein konkretes Ziel hat die Bundesregierung dabei nicht genannt. Damit vermied sie, den Fehler der Vorgängerregierung (SPD-Grüne-FDP) zu wiederholen: Ampel-Bauministerin Klara Geywitz (50, SPD) hatte 400.000 neue Wohnungen pro Jahr versprochen – gebaut wurden in ihren drei Amtsjahren jeweils weniger als 300.000.

Eine Hubertz-Bilanz lässt sich noch nicht ziehen. Was in ihrer Amtszeit gebaut wurde (2025: 206.600 Wohnungen laut Statistikamt, ifo-Prognose für 2026: 185.000 fertiggestellten Wohnungen), war schon früher genehmigt. Heißt auch: die niedrigen Zahlen gehen auf die Ampel zurück.

Bau-Turbo bringt auch nicht viel

Doch klar ist auch: Die erste Bilanz des neuen Bau-Turbo ist ebenfalls ernüchternd!

In 393 erfassten Kommunen wurde von Januar bis Juni Projekten mit insgesamt 7892 Wohnungen über das neue Bauturbo-Verfahren zugestimmt. Aber, Achtung: Die Zustimmung der Kommune ist noch keine endgültige Baugenehmigung. Heißt: Wie viele der Wohnungen inzwischen tatsächlich genehmigt sind, bei wie vielen schon die Bagger rollen und wie viele fertig sind, geht aus der Bilanz nicht hervor.

Grünes Licht heißt noch lange nicht gebaut

Und auch auf die entscheidende Turbo-Frage gibt es bisher keine Antwort: Wie viel schneller geht es denn nun? Zwar spricht das Ministerium von beschleunigten Planungs- und Genehmigungsverfahren. Doch konkrete Zahlen zur Zeitersparnis? Fehlanzeige. Auch offen: Wie viele der 7892 Wohnungen gibt es wirklich nur wegen des Bau-Turbos und wie viele davon wären ohnehin gebaut worden? Und: Nur 393 Kommunen machten bei der freiwilligen Untersuchung mit. Zwar wurden in 72 Prozent davon Bau-Turbo-Anträge verhandelt. Aber wie es bundesweit aussieht: unklar.

BILD fragt bei Hubertz nach

BILD fragt bei der Pressekonferenz nach: „Können Sie, Frau Hubertz, mit dieser Bilanz wirklich zufrieden sein?“ Hubertz verteidigt den Bau-Turbo: Ohne ihn wären die knapp 8000 Wohnungen nicht so schnell gekommen. Ihr Fazit: „Die Richtung stimmt und mehr wird folgen.“

Scharfe Kritik kommt von Haus-&-Grund-Präsident Kai Warnecke (54). Er sagt zu BILD, der Bau-Turbo sei „ein Instrument von Beamten für Beamte, aber nicht für Menschen, die tatsächlich Wohnraum schaffen wollen“. Bauministerin Hubertz müsse deshalb nachlegen: „Wenn die Bauministerin das Feld nicht den Populisten überlassen will, muss sie jetzt wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, für mehr Mietwohnungen und mehr Wohneigentum.“