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Brüssel – Nach dreijähriger Schlacht haben sich Kommission, EU-Parlament und Mitgliedstaaten darauf geeinigt, das Bargeld zu stärken. In Zukunft bekommen EU-Bürger die Garantie, dass Scheine und Münzen nahezu überall angenommen werden müssen. Für Bargeld-Fans ein Erfolg, hinter dem Namen und Gesichter stehen.

Zum Wortführer der Bargeld-Befürworter machte sich im EU-Parlament der dienstälteste deutsche EU-Abgeordnete Markus Ferber (61, CSU/EVP). Bargeld bedeute „ein Stück Freiheit“, sagt Ferber zu BILD. Es gewähre „Anonymität“. Dass immer mehr Händler kein Bargeld annehmen wollten, habe man einfach „nicht akzeptieren“ können.

Eine BILD-Umfrage gibt dem CSU-Politiker recht: 88 Prozent der BILD-Leser sind laut Abstimmung gegen die Abschaffung von Scheinen und Münzen.

Im Notfall ist nur Bares Wahres …

Allerdings steckt hinter der Initiative schlichte Notwendigkeit, die schon die skandinavischen Länder umdenken ließ: Bargeld kann in Krisensituationen (Stromausfall, Cyberangriff, Überschwemmung etc.) den Handel aufrechterhalten. Ferber denkt zum Beispiel an Supermärkte und Apotheken.

Bürgerämter müssen umdenken

Auch die Sozialdemokraten machten Druck in Brüssel: „Es geht darum, den Menschen die Wahlfreiheit zu lassen“, sagt der EU-Abgeordnete und Wirtschaftsexperte Matthias Ecke (43, SPD) zu BILD. Das gelte auch für Behörden wie Bürgerämter. Dabei hat er auch den digitalen Euro im Blick, der ab Anfang 2029 via Smartphones zum Einsatz kommen soll: Der solle „eine kostenlose, sichere und europäische Alternative zu den heute dominierenden US-Zahlungsdiensten bieten“.

Eine Lanze für die Schwachen

Speziell für Menschen ohne Alternative zum Bargeld machte sich Verena Bentele (44), Präsidentin des Sozialverbands VdK, stark. Eine App oder ein Kartenlesegerät sei für viele ältere oder eingeschränkte Menschen eine „echte Hürde“. Tatsächlich findet sich das Argument der Ex-Biathletin, die von Geburt an blind ist, im Gesetzentwurf der Europäischen Kommission wieder.

Die Initiative „Bargelderhalt“, die über eine Petition 370.000 Unterschriften eingesammelt hat, verweist noch auf eine weitere Gruppe, die auf Barzahlung angewiesen ist: Kinder.

„Schwachsinniger Populismus“

Der Abgeordnete Engin Eroglu (44, Freie Wähler) wurde bei seinen Redebeiträgen im EU-Parlament emotional, wetterte gegen den „schwachsinnigen Populismus, dass Bargeld abgeschafft werden soll“. Entscheidend sei ein engmaschiges Netz an Geldautomaten. Eroglu zu BILD: „96 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen für Bargeldabhebungen den Geldautomaten. Eine niedrigschwellige Bargeldversorgung ist deshalb auch auf dem Land ein wichtiger Aspekt für gesellschaftliche Teilhabe und Gleichberechtigung.“