Herne (Nordrhein-Westfalen) – Kaum steigen die Temperaturen, beginnt jedes Jahr dieselbe traurige Serie. Menschen suchen Abkühlung in Seen, Flüssen und Kanälen – und immer wieder endet der Sprung ins Wasser tödlich. Spätestens mit der aktuellen Hitzewelle häufen sich die Badeunfälle. Experten befürchten einen Sommer mit erschreckend vielen Toten.
Sie wollten den Tag als Familie genießen. Ein Picknick im Park, direkt am Wasser, wo viele Menschen an heißen Tagen Abkühlung suchen. Doch plötzlich ist ihr Sohn weg. Der Sechsjährige verschwindet am Samstag am Herner Meer (Nordrhein-Westfalen), einem Badestreifen am Rhein-Herne-Kanal. Polizei, Feuerwehr, Taucher und sogar ein Hubschrauber suchen nach dem Jungen. Wenig später die traurige Gewissheit: Die Rettungskräfte können das Kind nur noch leblos aus dem Wasser bergen. Es ist einer von vielen tragischen Badeunfällen in diesem Sommer.
Viele Badetote im Juni
Wenige Stunden zuvor ertrinkt ein 22-Jähriger in Bremen. Am Abend wird ein 40-jähriger Familienvater am Raunheimer Waldsee (Hessen) vermisst gemeldet. Auch er stirbt im Wasser. „Es ist völlig erschreckend, wie viele Unfälle sich jetzt gerade ereignen“, sagt DLRG-Sprecher Martin Holzhause zu BILD.
Allein innerhalb von drei Tagen registrierte die DLRG nach eigenen Angaben mehr als 20 tödliche Badeunfälle. Zum Vergleich: Im gesamten Monat Juni des vergangenen Jahres starben 69 Menschen beim Baden. Es war der tödlichste Monat der Badesaison. In diesem Jahr steht eine Gesamtzahl noch nicht fest. Doch durch die Hitze zieht es mehr Menschen an die Gewässer als zuvor.
DLRG warnt: Männer ertrinken häufiger
Auffällig ist dabei seit Jahren, wer besonders häufig ums Leben kommt. Neben Nichtschwimmern und Kindern sind es vor allem Männer. 2025 waren nach DLRG-Angaben 82 Prozent der Ertrunkenen männlich. Holzhause nennt die Gründe klar: „Männer allgemein sind risikofreudiger. Sie können Gefahren verkennen oder teilweise auch ignorieren.“ Gerade junge Männer überschätzen sich häufig, ältere Männer sind zusätzlich öfter von Herz-Kreislauf-Problemen betroffen.
Mann in Berlin geht nach Restaurantbesuch baden – tot
So ist in Berlin am Samstag ein Mann gestorben, der eben noch im Restaurant am Tempelhofer Hafen saß. Dann bezahlte er, ging ans Ufer, zog sich aus und ging ins Wasser. Zeugen sahen ihn noch schwimmen. Kurze Zeit darauf trieb er leblos im Wasser. Er gehört zu den ersten Badetoten in Berlin.
Die DLRG rät, nie überhitzt ins Wasser zu springen. Vor allem der Temperaturunterschied könne einen gefährlichen Kälteschock auslösen, der zu Herzrhythmusstörungen, Panik oder sogar Bewusstlosigkeit führen könne.
DLRG: Männer überschätzen sich häufiger
Auch Alkohol erhöht das Risiko erheblich. Die DLRG empfiehlt außerdem, nur ins Wasser zu gehen, wenn man sich fit fühlt, und möglichst an bewachten Badestellen zu schwimmen. Gerade dort seien Rettungsschwimmer im Notfall sofort vor Ort. Seen, Flüsse und andere unbewachte Gewässer gelten dagegen als besonders gefährlich. Nach DLRG-Angaben ereignen sich die meisten tödlichen Badeunfälle genau dort – häufig ausgelöst durch Selbstüberschätzung, gefährliche Sprünge oder das Unterschätzen von Strömungen.