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München – Kaum jemand nimmt sie noch wahr: die 17.000 Notrufsäulen an Deutschlands Autobahnen. Nun sollen die orangen Sprechanlagen abgeschafft werden. Doch Experten warnen: Noch immer retten sie jährlich Zehntausende Autofahrer aus einer Notlage.

In den vergangenen Jahren gingen die Notrufe stark zurück, jetzt stehen die SOS-Säulen auf der Sparliste des Bundes. Die Gründe der Autobahn-GmbH: Die Säulen sind teuer (2025: 4,5 Mio. Euro) und nicht mehr zeitgemäß – dank Handys und automatischer Notrufsysteme in neueren Autos. Laut einem Sprecher prüfe man, die Säulen mittelfristig abzuschalten.

„Bei Pannen sind Notrufsäulen unverzichtbar“

Unfallforscher Siegfried Brockmann (67) zu BILD: „Die über 50-Jährigen haben noch ein emotionales Verhältnis zu den Notrufsäulen.“ Wer in den 70ern mit der Familie nach Italien fuhr, erinnert sich an die Notrufe, wenn plötzlich das Auto liegen blieb. „Das passierte sicherlich früher häufiger als heute“, so der Experte der Björn-Steiger-Stiftung. „Aber gerade für die Pannen sind die Notrufsäulen unverzichtbar.“ Er schätzt, dass im vergangenen Jahr noch 20.000 Notrufe abgesetzt wurden.

Was, wenn das Handy kein Netz findet?

Auch für die Argumente der Autobahn-GmbH hat der Experte nur wenig Verständnis. Über 80 Prozent der Deutschen nutzen ein Handy. Aber: Was tun im Funkloch? Brockmann zu BILD: „Donnerstag fuhr ich von der Ostsee zurück. Mein Handy hatte kein Netz, ich hätte keinen Pannendienst erreichen können.“ Und selbst wenn ein Handy Netz hätte, ist vielleicht der Akku leer. Vor allem auch für ausländische Lkw-Fahrer könne das ein Problem sein.

Auch das automatische Notrufsystem eCall, auf das sich die Autobahn-GmbH beruft, sehen die Experten nicht als Lösung. Seit 2018 müssen Neufahrzeuge in der EU damit ausgestattet sein. Christoph Rieger (42), Sprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, zu BILD: „Viele dieser Systeme funktionieren nur mit dem 2‑G-Netz. Das soll in den nächsten Jahren aber abgeschaltet werden.“ Brockmann ergänzt: Wer eine Panne hat, kann zur Gefahr für andere werden. „Das sind 20.000 liegengebliebene Fahrzeuge im Jahr. eCall löst aber nur bei Unfällen, nicht bei Pannen, aus.“

Das sagt der ADAC

Der ADAC hält die Abschaltung übrigens „aufgrund der technischen Überalterung des Systems“ für nachvollziehbar. ADAC-Sprecherin Katharina Lucà zu BILD: „Notrufstationen in Tunneln sollten zudem langfristig erhalten bleiben.“