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Hamburg – Am 23. März 2026 strandete ein Buckelwal auf einer Sandbank am Timmendorfer Strand. Bald wurde er auf den Namen „Timmy“ getauft und sein Schicksal bewegte wochenlang das ganze Land. Das Drama um den Wal hatte so viele kuriose Höhepunkte, dass es nur eine Frage der Zeit war: Im Ernst-Deutsch-Theater fand am Samstagabend also die Premiere des Theaterstücks „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ statt.

Unterwassergeräusche gehen in Orgelmusik über, während Weihrauch durch den Saal zieht. In einer feierlichen Prozession wird ein aufblasbarer Wal zum Altar getragen: Es ist die „Passion Timmy“. Es ist ein Theaterstück wie eine katholische Messe, nur dass der Erlöser bei Regisseur Alexander Klessinger nicht Jesus Christus heißt, sondern eben Timmy. Zur Gabenbereitung werden die Innereien des Buckelwals durch den Fleischwolf gezogen.

„Der Wal sei mit Euch!“

Der Vergleich mit Jesus liegt nicht fern, weil er zumindest nicht neu ist: Als die Wissenschaftler am 30. März die Hoffnung auf eine Walrettung aufgeben, hofft Landwirtschaftsminister Till Backhaus (67, CDU) in einer Pressekonferenz auf ein Osterwunder. Denn an Ostern sei man in Gottes Hand: „Und was mit Jesus passiert ist, wissen wir.“ Auf der Theaterbühne breitet ein Priester (Noah Amiri Tomiak) die Arme aus: „Der Wal sei mit Euch!“

Der emotional stark involvierte Minister ist nur eine der zahlreichen Geschichten rund um den Wal und seine zumindest versuchte Rettung. Viele davon werden im Stück aufgegriffen: Ein viraler KI-Song („Er hat sich das nicht ausgesucht“) wird aufgeführt und sorgt für Jubelstürme im Publikum. Ganze Monologe aus Fernsehinterviews werden nachgesprochen oder musikalisch neu interpretiert.

Zuschauer: „Wir sind geschockt“

Man muss es gar nicht neu verpacken, es einfach auf der Bühne wiederzugeben, reicht schon, damit die Zuschauer lachen. Viele Zuschauer sind offenbar gekommen, weil sie lachen wollten. Gaby Hinck (50) und André S. (56) ist nach der Aufführung nicht zu lachen zumute: „Wir sind geschockt vom Publikum. Als Mensch sollte man bei diesem Stück betroffen sein und nicht jubeln und klatschen. Wir lieben Theater, aber sind von dieser Reaktion des Publikums geschockt.“

Schlacht-Aufnahmen werden gezeigt

Die einen sind von dem Leiden eines Tieres betroffen, die anderen machen sich über das teilweise absurde Spektakel um eine offenbar zwecklose Walrettung lustig. Die Aufführung sollte offenbar auch den Widerspruch darin zeigen, dass ein einzelnes Tier so viele Menschen berührt, während gleichzeitig unzählige Tiere in Deutschland in Massentierhaltung leiden. Dazu diskutierte im Anschluss unter anderem Walretterin Dr. Kirsten Tönnies auf der Bühne mit den Tierrechtsaktivisten Hendrik Haßel und Anna Schubert.

Wegen der Veröffentlichung ihrer heimlichen Aufnahmen in einem Schlachthof wurden diese im vergangenen Monat zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. Eben diese Aufnahmen von erstickenden Schweinen können die Zuschauer dann in einem Nebensaal des Theaters sehen. Auf der großen Bühne tanzt am Ende des Abends Wal Timmy als aufblasbare Gummipuppe zum Lied „Sprengt den Wal“ der Berliner Band „Tulpe“.