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Warschau/Berlin – Die Festnahme des früheren BND-Präsidenten August Hanning (80) unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Landesverrats sorgt auch im Ausland für erhebliche Besorgnis. Der ehemalige Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Grzegorz Malecki, sagte WELT AM SONNTAG (gehört wie BILD zu Axel Springer), der Fall sei „höchst beunruhigend“ und könne das Misstrauen der Verbündeten gegenüber dem Bundesnachrichtendienst verstärken. Dies habe das Potenzial, den Informationsaustausch mit Deutschland zu beeinträchtigen.

Die mutmaßliche Genehmigung einer Nebentätigkeit des ebenfalls inhaftierten früheren Büroleiters Manfred D. für Hanning durch den BND stößt innerhalb der deutschen Nachrichtendienst-Community auf Unverständnis. Der frühere Geheimdienstkoordinator der Ära Merkel, Günter Heiß (74), erklärte gegenüber WELT AM SONNTAG, eine Genehmigung für eine Nebentätigkeit eines BND-Mitarbeiters zugunsten Hannings müsse auf Führungsebene entschieden worden sein. Zwar seien Nebentätigkeiten für Beamte grundsätzlich möglich, sagte Heiß. „Ohne Details zu kennen, hätte ich als Verantwortlicher im BND so etwas niemals genehmigt.“

Kohl-Minister spricht von „Tragödie“

Der frühere Staatsminister und Geheimdienstkoordinator unter Bundeskanzler Helmut Kohl, Bernd Schmidbauer (87) sagte WELT AM SONNTAG, Hanning habe sich große Verdienste um die Sicherheit Deutschlands erworben. Deshalb sei die Affäre „nicht nur eine Tragödie für die deutschen Geheimdienste, sondern auch für den einstigen Spitzenbeamten“. Hanning gehörte in den 1990er-Jahren zu den engsten Mitarbeitern Schmidbauers und leitete von 1998 bis 2005 den Bundesnachrichtendienst.

Wie WELT AM SONNTAG erfuhr, hatte Hanning noch am 17. August dem aktuellen BND-Chef Martin Jäger einen wütenden Brief geschrieben. Auf drei Seiten bat er um die Beantwortung von elf Fragen. Hanning hatte erfahren, dass der BND ein Dossier, in dem er von einem Ex-Agenten als Russenspion diffamiert worden war, ohne Rücksprache an eine Ermittlungsbehörde weitergeleitet hatte. Jäger antwortete damals nicht.