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Kiew – Das russische Militär zerstörte in der Nacht zu Mittwoch mit einem Raketenangriff das Zentrallager des deutschen Schmierstoffherstellers Liqui Moly in der Region Kiew. Tonnenweise Motoröle, Schmierstoffe und Additive gingen in Flammen auf. Nach Unternehmensangaben wurde niemand verletzt. Doch die Attacke wirft eine Frage auf: Warum wurde ausgerechnet ein deutscher Hersteller zum Ziel russischer Raketen?

Liqui Moly hatte sich nach dem russischen Überfall auf die Ukraine klar positioniert. Das Unternehmen beendete 2022 sein Geschäft in Russland und Belarus, obwohl Russland zuvor der wichtigste Auslandsmarkt des Unternehmens war. Gleichzeitig beteiligte sich der Schmierstoffhersteller an Hilfs- und Spendenaktionen für die Ukraine. Außerdem produziert Liqui Moly Motoröle, Schmierstoffe, Fette und Additive, die nicht nur für Autos und Lastwagen benötigt werden. Nach Einschätzung des Militärexperten Oberst Markus Reisner (48) haben solche Produkte auch für Streitkräfte eine große Bedeutung. „Jedes mechanisch betriebene Militärgerät benötigt genormte Betriebsmittel und Schmierstoffe, um zu funktionieren“, sagt Reisner zu BILD. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass ein ziviles Lager ein militärisches Ziel darstellt.

Nach Einschätzung des Militärexperten war der russische Angriff in erster Linie aber ein Versuch, die ukrainische Logistik und Wirtschaft unter Druck zu setzen. Russland sei „auf Basis seiner geheimdienstlichen Aufklärung davon überzeugt, dass große Lagerhallen und Verteilerzentren vor allem wichtige Standorte der dezentralen ukrainischen Drohnenfertigung darstellen“, so Reisner zu BILD. Zudem verweist er darauf, dass Angriffe auf Logistik-, Lager- und Verteilerzentren regelmäßig zahlreiche Unternehmen treffen. Dort lagerten nicht nur die eigenen Waren, sondern häufig auch Produkte von Zulieferern. Dazu passen auch die Einträge bei Google Maps und anderen Kartendiensten. Diese zeigen: Neben Liqui Moly wurde die Halle auch noch von weiteren Unternehmen aus Transport- und Kosmetikbranche genutzt.

Auch Puma wurde Opfer des Angriffs

Liqui Moly war jedoch nicht das einzige deutsche Unternehmen, das von der russischen Angriffswelle getroffen wurde: Auch ein Logistikzentrum des deutschen Sportartikelherstellers Puma wurde in der Nacht zu Mittwoch beschädigt. Mitarbeiter seien dabei nicht verletzt worden. Puma erklärte, man arbeite mit Hochdruck daran, die Versorgung des ukrainischen Marktes wiederherzustellen. Der Fall zeigt erneut, dass die Armee von Kreml-Chef Wladimir Putin (73) immer wieder zivile Ziele ins Visier nimmt.