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Berlin - Bei Rekord-Hitze müssen Millionen Beschäftigte und Schüler ihren Alltag unter starker Hitze bewältigen – ein Risiko für ihre Gesundheit. Doch nicht nur am Arbeitsplatz selbst lauern Gefahren, sondern auch auf dem Weg dahin.

Bauarbeiter besonders gefährdet

Zu den am stärksten belasteten Berufsgruppen durch die Rekord-Hitze gehören Bauarbeiter. Sie sind im Freien oft stundenlang direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt und müssen schwer körperlich arbeiten. Asphalt, Beton, Maschinen und Fahrzeuge geben zusätzliche Wärme ab, Schattenplätze fehlen häufig. Laut der zuständigen Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft starben in den vergangenen drei Jahren drei Menschen als Folge von hitzebedingten Arbeitsunfällen (Sonnenstich, Hitzschlag, Hitzeerschöpfung).

Eine Temperaturgrenze für einen Baustopp gibt es nicht. Entscheidend ist, wie der Arbeitgeber die Gefahr im Einzelfall einschätzt. Arbeitnehmer haben unter anderem Anspruch auf eine freiwillige Vorsorge beim Betriebsarzt, persönliche Schutzausrüstung wie Helme mit Nackenschutz, langärmelige UV-schützende Kleidung, Sonnenbrille sowie auf ausreichend Trinkwasser und Pausen. Arbeitgeber sollten das Risiko zudem mit Schutzzelten oder Kühlwesten reduzieren.

Schulen ohne Klimaanlagen

Für Schulen existieren keine bundesweit einheitlichen Hitzeregeln. Ob Unterricht verkürzt wird, zusätzliche Pausen stattfinden oder auf Sportunterricht verzichtet wird, entscheiden die Schulleitungen nach den jeweiligen Landesregeln. Problematisch: Viele Bildungseinrichtungen sind baulich schlecht auf Hitze vorbereitet. Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, bestätigt gegenüber BILD: „Schulen mit Klimaanlagen gibt es vermutlich nahezu keine in Deutschland.“

Landwirte von Hitzewellen betroffen

Auch Beschäftigte und Saisonarbeiter in der Landwirtschaft leiden immer wieder an hitzebedingten Gesundheitsschäden. Laut der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau werden regelmäßig Fälle von Hitzekollaps, Hitzeerschöpfung oder Sonnenstichen gemeldet. Die SVLFG informiert regelmäßig über Risiken und Schutzmaßnahmen. Laut einer Sprecherin wurden 2025 insgesamt 3290 Saisonarbeitskräfte vor Ort beraten.

Hitze macht den Arbeitsweg gefährlicher

Eine Studie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) von 2025 zeigt: Steigen die Temperaturen auf 30 Grad oder mehr, passieren rund acht Prozent mehr Arbeits- und Wegeunfälle als an milden Tagen. Besonders alarmierend: Auf dem Arbeitsweg steigt die Zahl der Unfälle bei großer Hitze sogar um etwa zwölf Prozent. Der Grund: Hohe Temperaturen können Konzentration und Reaktionsvermögen beeinträchtigen – das Unfallrisiko wächst.

Todesfälle durch Hitze am Arbeitsplatz

Hitze belastet den Körper stark: Der Blutdruck sinkt, das Herz arbeitet schneller. Gleichzeitig verliert der Körper Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe. Erste Warnsignale sind Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Im schlimmsten Fall droht ein lebensgefährlicher Hitzschlag. Allein 2013 gab es laut DGUV sechs Tote durch „hitzebedingte Arbeitsunfälle“, zum Beispiel Hitzschlag. Statistisch nur schwer erfassbar ist die Zahl der nicht tödlichen Unfälle. Fachleute gehen von Zahlen im oberen zweistelligen bis unteren dreistelligen Bereich aus. Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall immer erst dann, wenn der Betroffene mehr als drei Tage arbeitsunfähig ist. Wer den Sonnenstich schneller auskuriert, taucht in der Statistik also nicht auf.

Das müssen Arbeitgeber tun

Prinzipiell sind Arbeitgeber verpflichtet, bei hohen Temperaturen „geeignete Maßnahmen“ zum Schutz der Mitarbeiter zu ergreifen. Dazu gehören ausreichend Trinkwasser, Schattenplätze, angepasste Arbeitszeiten, zusätzliche Erholungspausen, UV-Schutzkleidung sowie Kopfbedeckungen oder moderne Kühlwesten. Wer Schutzkleidung tragen muss, darf sie nicht einfach ausziehen. Nach Empfehlungen der DGUV sollen Schutzmaßnahmen bereits ab 26 Grad Celsius geprüft werden. Wer zwischen April und September regelmäßig zur Mittagszeit im Freien arbeitet, hat zusätzlich Anspruch auf eine Untersuchung beim Betriebsarzt.