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Igensdorf (Bayern) – Das Telefon klingelt. Waskim Beray (28) steigt sofort aus seinem Auto, läuft zur Straße. Er spannt ein rot-weißes Absperrband über die Fahrbahn und stellt ein dreieckiges Halteschild auf. Von 5 Uhr früh bis Mitternacht sorgt er mit Kollegen dafür, dass niemand auf die Gleise fährt, wenn Züge passieren. Der Mitarbeiter der Deutschen Bahn ersetzt eine Bahnschranke!

Seit dem 10. September 2026 ist am Bahnübergang an der B2 in Igensdorf nahe Nürnberg (Bayern) die Lichtzeichenanlage defekt. Sie stand teilweise dauerhaft für die Autofahrer auf Rot und wurde aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Bis eine Lösung gefunden ist, müssen jetzt Menschen als Schranke ran.

Zwei Männer, ein Absperrband und jede Menge Geduld

Sicherungsaufsicht Beray und sein Kollege Mudi (26, Hilfsposten) sollen garantieren, dass am Bahnübergang alles problemlos abläuft. Der erste Zug kommt bereits um 5.12 Uhr. Um 15 Uhr übernimmt die Spätschicht bis Mitternacht. Danach fährt kein Zug mehr – bis zum nächsten Morgen.

Und wie funktioniert die Hightech-Lösung aus Fleisch und Blut? Waskim Beray: „Rund fünf Minuten vor der Zugfahrt klingelt das Telefon. Dann heißt es: raus aus dem Auto, Absperrband spannen und warten, bis der Zug durch ist. Dazwischen beobachten, warten, lesen.“

Toilettenpause nur nach Fahrplan

Selbst der Toilettengang muss mit dem Fahrdienstleiter abgestimmt werden. Denn wer den Einsatzort verlässt, muss Bescheid geben. Immerhin steht eine mobile Toilette bereit. Auch an den Wochenenden wird gearbeitet. Für ihren Einsatz bekommen die Männer nach eigenen Angaben rund 2200 Euro brutto im Monat.

Wenn Beray nicht den Bahnübergang für die Autofahrer sperren muss, kümmert er sich um die Sicherheit von Arbeitern an den Gleisen. Dafür hat er eine zweiwöchige Schulung zur Sicherungsaufsicht bei der Bahn absolviert.

Für die Schranke gibt es keine Ersatzteile

Wie viele Wochen er mit seinem Team noch Schranke sein muss, ist offen. Eine Bahn-Sprecherin erklärt auf BILD-Anfrage: „Eine Reparatur der Anlage ist leider nicht möglich: Notwendige Ersatzteile für die vor Ort verbaute Technik sind auf dem Markt nicht mehr verfügbar. Die DB InfraGO arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung.“ Die „vorübergehende Sicherung mit Bahnübergangsposten“ sei allerdings nicht ungewöhnlich und komme in Einzelfällen bundesweit vor.

Immerhin: Für Bahnreisende verlängert sich die Fahrtzeit nicht.