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Tirana – Albanien kommt nicht zur Ruhe! Wieder ist die Hauptstadt Tirana Schauplatz schwerer Krawalle. Bei gewaltsamen Protesten gegen die Regierung ist am Mittwoch das Bildungsministerium in Brand geraten. Randalierer schlugen Fensterscheiben ein, legten weitere Feuer und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Es ist bereits der zweite Tag in Folge mit schweren Ausschreitungen.

Nach den Studenten-Unruhen in Frankreich jetzt also auch auf dem Balkan: Hunderte Studenten und weitere Regierungsgegner gingen auf die Straße. Ihr Protest richtet sich gegen schlechte Studienbedingungen und hohe Gebühren. Zudem fordern sie den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama (61).

Steine, Molotowcocktails und brennende Gebäude

Die Lage eskalierte: Demonstranten errichteten Barrikaden aus Absperrgittern, warfen Steine und schleuderten Molotowcocktails. Zwei Protestierende kletterten über eine Mauer des Bildungsministeriums und warfen Leuchtfackeln auf das Gelände. Kurz darauf drang dichter, schwarzer Rauch aus einem Fenster. Die Feuerwehr konnte den Brand nach kurzer Zeit löschen.

Auch eine Bankfiliale wurde zum Ziel der Randalierer. Männer schlugen Scheiben ein und zündeten Unterlagen an. Zudem stand ein offenbar leerstehendes Gebäude in Flammen.

Schon am Dienstag brannte es im Rathaus

Die Gewalt hatte bereits am Vortag ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Demonstranten waren in das Rathaus von Tirana eingedrungen, hatten Feuer gelegt und weitere Gebäude beschädigt. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 16 Menschen fest. Das Gesundheitsministerium meldete zahlreiche Verletzte: Sechs Polizisten, acht Demonstranten, drei Journalisten und zwei Passanten mussten medizinisch versorgt werden.

EU schlägt Alarm – Sorge um Polizeigewalt

Die EU-Vertretung in Tirana zeigte sich besorgt über die „gewaltsame Eskalation“ und rief alle Beteiligten zur Deeskalation auf. Zugleich forderte sie, Hinweisen auf übermäßige Polizeigewalt gegen Demonstranten und Journalisten rasch nachzugehen.

Klar ist: Für Albanien ist die Lage politisch heikel. Das Land ist EU-Beitrittskandidat. Erst zu Wochenbeginn war ein weiteres Kapitel der EU-Beitrittsverhandlungen vorläufig abgeschlossen worden.

Luxus-Hotelprojekt löst Protestwelle aus

Seit Ende Mai kommt es in Albanien immer wieder zu Protesten gegen die Regierung. Auslöser ist ein geplantes Luxus-Hotel in einem Küstennaturschutzgebiet. Aufgrund der dort vorkommenden Vogelart wurden die Demos als Flamingo-Proteste bekannt. Das Resort-Projekt steht im Zusammenhang mit Ivanka Trump, der Tochter von US-Präsident Donald Trump, und ihrem Ehemann Jared Kushner.

Die Pläne entfachten eine Debatte über mutmaßliche Korruption und mangelnde Transparenz. Gleichzeitig wächst der Unmut unter Studenten: Sie beklagen hohe Studiengebühren und schlechte Bedingungen an den Universitäten.