TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Trier (Rheinland-Pfalz) – Liebevoll nimmt er seine Mutter in den Arm, lächelt entspannt in die Kamera. Dann posiert er mit seinem Vater vor dem wunderschönen Sonnenuntergang am Strand. Fotos, die ein Leben erzählen. Voller Wärme, Nähe, Zukunft. Heute sind es nur noch Erinnerungen. Marius Dick (22) wurde erstochen. Laut Polizei war er ein Zufallsopfer. Der als eigentlich gut integriert geltende Afghane Sajad M. (22) hatte ihn auf der Straße mit einem Messer angegriffen. Offenbar ohne jeden erkennbaren Grund.

Vor dem Morgen dieses 15. Juli war alles anders. Marius hatte Pläne, erzählen seine Eltern Thomas (59) und Elke Dick (56). Der Pfälzer studierte Geschichte in Trier (Rheinland-Pfalz). Kurz vor dem tödlichen Angriff hatte er seine letzte Klausur geschrieben. Der Bachelorabschluss war zum Greifen nah. Danach wollte er umziehen, seinen Master in Militärgeschichte in Potsdam machen. „Er hatte so viel vor sich“, sagt Mutter Elke zu BILD. Ein Leben voller Pläne. Ausgelöscht an einem gewöhnlichen Dienstagmorgen.

Marius kam fast jedes Wochenende zu seinen Eltern

Die Eltern hatten immer ein enges Verhältnis zu ihrem älteren Sohn. Marius hat einen 17-jährigen Bruder. „Auch als er sein Studium schon begonnen hatte, kam er fast jedes Wochenende nach Hause zu uns“, sagt sein Vater im Gespräch mit BILD. Mutter Elke nickt: „Wir wussten immer, was bei ihm los war. Er erzählte uns immer alles.“ Noch vor zwei Jahren fuhr Marius mit seinen Eltern zum Strandurlaub in die Niederlande. Jetzt fehlt er für immer. Bei jedem Familienessen, an jedem Wochenende.

Im Zuhause der Familie, einem Einfamilienhaus in Landstuhl, erinnert fast alles an den geliebten Sohn. Fotos an den Wänden zeigen die gemeinsamen Reisen und unzählige glückliche Momente. Die Erinnerung an diese Augenblicke konnte der Killer nicht zerstören. Sie sind das, was bleibt.

Marius' Zimmer ist unverändert. Als könnte er jeden Moment zur Tür hereinkommen. Die Nacht nach dem furchtbaren Verbrechen verbrachte Mutter Elke im Bett ihres Sohnes. In der Hoffnung, Marius noch einmal nahe zu sein.

Marius’ Eltern hoffen, dass sein Tod etwas ändert

Trotz ihrer tiefen Trauer hat sich die Familie entschieden, über Marius zu sprechen. Sie möchte, dass er nicht nur als Opfer einer schrecklichen Tat in Erinnerung bleibt. Sondern als ein junger Mann mit Träumen, mit Wärme, mit einem ganzen Leben vor sich. „Er soll nicht vergessen werden und sein Tod soll nicht folgenlos bleiben“, sagt sein Vater eindringlich zur BILD-Reporterin. Mutter Elke, seit Jahren ehrenamtlich in der CDU engagiert, fordert „echte Lösungen, damit so etwas nie wieder passieren und der nächste Mord vermieden werden kann“.

Sajad M. wurde inzwischen in einer geschlossenen forensischen Psychiatrie untergebracht. Wegen einer psychischen Erkrankung könnte seine Schuldfähigkeit eingeschränkt gewesen sein, so die Staatsanwaltschaft. Dennoch wird wegen Totschlags gegen ihn ermittelt. Er gab die Tat zu. Warum er Marius’ Leben auslöschte, sagte er nicht.