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Heidenau (Sachsen) – Das Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus soll in Heidenau (16700 Einwohner) künftig keinen Platz mehr im Stadtbild haben! In dem Vorort von Dresden haben Stadträte von AfD, CDU und einem Bürgerbündnis einen Beschlussantrag eingebracht. Darin steht: „Eine Verlegung von sogenannten ,Stolpersteinen‘ im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich wird künftig abgelehnt.“

Im Stadtparlament der Kleinstadt im Landkreis Sächsische Schweiz–Osterzgebirge soll am 24. September 2026 über den Antrag abgestimmt werden. Bereits vor einem Jahr hatte das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sachsen (AKuBiZ) die Verlegung von sieben spendenfinanzierten Stolpersteinen (10 mal 10 Zentimeter) beantragt.

Stolperstein-Stiftung: einzigartiger Vorgang

In dem gemeinsamen Antrag von Stadträten von AfD, CDU und BOD (Bündnis Oberelbe) heißt es: „Die Verlegung von Stolpersteinen im öffentlichen Straßenraum wird von vielen Kommunen kritisch betrachtet. Obwohl Stolpersteine als Projekt bekannt sind, führt ihre Platzierung im Gehwegbereich dazu, dass Passanten – bewusst oder unbewusst – über die Namen von Opfern hinweggehen oder sogar darüber treten.“

Dieser Einschätzung der Stadträte widersprechen die Zahlen: Immer mehr Kommunen unterstützen das Stolperstein-Projekt. Bis Ende September 2026 sind es bereits 128.000 verlegte Stolpersteine in ganz Europa – in rund 2300 Gemeinden. Und es werden immer mehr. In Heidenau gibt es bislang 5 Stolpersteine. Ob auch diese verschwinden sollen, steht im Antrag nicht.

Katja Demnig (50), Geschäftsführerin der Stolperstein-Stiftung, zu BILD: „Ich empfinde es als äußerst bedenklich, dass demokratische Parteien den Antrag unterstützen. Das ist ein absolut einzigartiger Vorgang.“

Stadt empfiehlt, Antrag abzulehnen

Die Stadtverwaltung Heidenau empfiehlt, den Antrag abzulehnen. Die Verwaltung schreibt: „Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und anderer Gewaltherrschaften ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es sollte an Orten stattfinden, die öffentlich zugänglich, im Stadtbild wahrnehmbar und in den Alltag der Einwohnerinnen und Einwohner eingebunden sind.“

Ein Stolperstein kostet 120 Euro. Die Initiative wollte die Kosten aus Spenden finanzieren, auch für die Tiefbaukosten aufkommen. Doch die Stolperstein-Gegner argumentieren laut Verwaltung, dass diese „beschädigt, entfernt oder verschmutzt werden können, was bei Bedarf Kontroll-, Pflege- und Erhaltungsaufwendungen bedeutet“.

CDU hat noch Abstimmungsbedarf

Das Gedenken sollte nach Einschätzung der Antragsteller auf den Friedhof verbannt werden. Laut Antrag wird alternativ eine „Gedenkfläche für die Opfer von Krieg, Terror, Diktatoren, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus in Heidenau“ auf dem Nordfriedhof der Stadt gefordert. Doch die Stadtverwaltung stellt klar: „Diese könne ebenfalls beschädigt, entfernt oder verschmutzt werden.“

Bürgermeisterin Conny Oertel (51, parteilos) sagt, dass sie eine Gedenkstätte für die „vielen namenlosen Opfer“ unterstütze. „Doch das eine müsse das andere doch nicht ausschließen“, erklärt sie BILD.

Und was sagt die CDU in Heidenau dazu? Fraktionsvorsitzende Cornelia Schmiedel (57) schreibt: „(…) die Entscheidung über sein Abstimmungsverhalten trägt jede Stadträtin und jeder Stadtrat für sich selbst.“ Wichtige Fragen von BILD blieben jedoch unbeantwortet: Teilt die Kreis-CDU die Auffassung, dass Stolpersteine kein angemessenes Mittel des Gedenkens seien? Trägt der Kreisverband den Antrag der CDU-Stadträte mit?