87-Jährige von Polizei aus Wohnung geholt – jetzt darf die Frau laut ihrer Anwältin zurück
Nach der Zwangsräumung bei einer 87-Jährigen in Madrid, die landesweite Proteste in Spanien ausgelöst hatte, ist eine Einigung über die Rückkehr der Frau in ihre Wohnung erzielt worden. „Wenn diese Einigung, die wir erreicht haben, unterzeichnet wird“, werde das „für alle ein besseres und erfreulicheres Ergebnis sein“, sagte die Anwältin der Frau, Beatriz Duro, am Montag.
Der Fall der 87-jährigen Maricarmen Abascal hatte Proteste ausgelöst. Die Frau war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war, sollte sie ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei. Die neuen Eigentümer bekamen vor Gericht Recht. Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde sie schließlich am Mittwoch von Polizisten trotz des Widerstandes von Unterstützern aus ihrer Wohnung geholt und in ein Krankenhaus gebracht.
Am Montag versammelten sich in Barcelona anlässlich eines Besuchs von Ministerpräsident Pedro Sánchez rund 2000 Menschen und forderten wirksame Maßnahmen der Regierung. „Wir wollen kein Trostpflaster, sondern angemessenen Wohnraum“, sagte die Sprecherin der katalanischen Mietervereinigung, Carme Arcarazo.
Sie verlangte einen Stopp für Mieterhöhungen, ein Verbot befristeter Mietverträge und Maßnahmen gegen Zwangsräumungen. Damit spielte sie auf ein Gesetzespaket an, das das Kabinett von Sánchez am Dienstag beschließen will. Die Regierung arbeite „mit Hochdruck“ an einem Maßnahmenpaket, hatte Sánchez dazu gesagt. Ihr fehlt allerdings eine Mehrheit im Parlament. Zuvor war ein ähnliches Gesetz im Parlament gescheitert.
Auf dem zentralen Platz Puerta del Sol in Madrid harrten Protestierende am Montagabend vor Bekanntwerden der Einigung in einem Protestcamp aus. Am Samstag hatten zehntausende Menschen in der spanischen Hauptstadt gegen die Wohnungsnot und hohe Mieten demonstriert. Anschließend errichteten hunderte Menschen Zelte.
Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.