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Köln – Früher campierten Fans für Konzerttickets vor den Eingängen. Heute stehen sie für gebratenes Hähnchen an. Mitten in der Kölner Innenstadt spielte sich ein Schauspiel ab, das zeigt, welche Macht soziale Medien haben. Vor dem neuen Imbiss „Nhas City Chicken“ auf der Breiten Straße zogen sich die Schlangen über 100 Meter weit. Wer fragt, warum sich so viele Menschen das antun, bekommt meist dieselbe Antwort: „TikTok.“

Seit Freitag hat die bekannte Berliner Kette ihre erste Filiale außerhalb der Hauptstadt. Kaum waren die Türen geöffnet, wurde der Laden zum Anziehungspunkt für Jugendliche aus ganz NRW. Sie machten die Eröffnung zu einem regelrechten Social-Media-Event.

Schon am Wochenende standen junge Fans stundenlang an. Yunis aus Essen wartete mit seinem Freund bereits zweieinhalb Stunden auf den Einlass. Für ihn ist die Sache klar: „Wenn es jetzt so nah ist, muss man da mal hin. Man kommt ja nicht immer nach Berlin.“ Sein Freund aus Düsseldorf wäre sogar bereit, fünf Stunden für eine Portion Hähnchen auszuharren, wie er dem WDR verriet.

Aus Recklinghausen reiste eine Gruppe junger Männer mehr als 90 Kilometer an. Warum? Weil man einen TikTok-Trend eben nicht nur auf dem Smartphone verfolgen, sondern auch selbst erleben möchte.

Vom Familienrezept zum Social-Media-Star

Die Wurzeln von „Nhas City Chicken“ liegen im Libanon. Nach Angaben des Unternehmens werden die Gerichte bis heute nach Familienrezepten zubereitet. Gründer Omar Nhas wuchs in Berlin im Hähnchen-Geschäft seiner Familie auf und entwickelte daraus die heutige Marke. Das verwendete Fleisch stammt ausschließlich aus Halal-zertifizierter Schlachtung. Nach einem Streit mit seinem ehemaligen Geschäftspartner im Jahr 2022 führt Omar die Geschäfte wieder alleine.

Besitzer ist TikTok-Star

Viele Besucher kommen jedoch nicht nur wegen des Essens. Kayan und Karim machten sich mit ihrer Mutter aus Krefeld auf den Weg nach Köln, um den Chicken-Chef persönlich zu treffen. Das Ziel der Brüder: Einmal Omar Nhas sehen, bevor er wieder nach Berlin zurückkehrt.

Vor dem Eingang herrscht zeitweise Volksfeststimmung. Wenn die Schlange ein paar Meter vorrückt, wird gejubelt. Jugendliche zücken ihre Handys, machen Fotos und filmen Videos für ihre Kanäle. Der Kreislauf des Hypes dreht sich munter weiter: TikTok sorgt für Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit sorgt für neue TikTok-Videos.

Nicht jeder kommt ans Ziel

Nicht alle schaffen es bis zur Theke. Am Ende der Schlange überlegen zwei junge Frauen gerade noch, wie lange sie überhaupt noch bleiben wollen. Wenig später erübrigt sich die Frage. Ein Sicherheitsmitarbeiter informiert die letzten Wartenden, dass sie an diesem Abend nicht mehr bedient werden können. Die Wartezeit liege bei mindestens vier Stunden, der Imbiss schließe aber bereits in zwei Stunden.

Haufenweise Müll rund um den Imbiss

Weniger appetitlich sind die Spuren des Hypes. Rund um den Imbiss quellen die Mülleimer über. Auf den Gehwegen liegen Verpackungen, Getränkebecher, Einmalhandschuhe und zahlreiche weggeworfene Hühnerknochen. Fest steht: Die erste Kölner Filiale von „Nhas City Chicken“ hat einen Start hingelegt, den wohl niemand übersehen konnte. Ob ein Hähnchen tatsächlich mehrere Stunden Wartezeit wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dass der TikTok-Hype funktioniert, zeigt sich dagegen jeden Tag aufs Neue.