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Steil nach oben! Auch bei unserem Nachbarn kennen die Preise in der Bäckereibranche nur eine Richtung. Selbst einfaches Brot wird immer teurer. Darunter leiden auch kleine Handwerksbetriebe, die ihren Kunden früher deutlich günstigere Preise anbieten konnten.

Einer von ihnen ist die Dorfbäckerei der Familie Maassen im niederländischen Wanroij (Provinz Nordbrabant). Dort kostet ein schlichtes Vollkornbrot inzwischen 3,50 Euro. „Ich schäme mich manchmal, wenn ich sehe, wie viel wir für ein Brot verlangen müssen. Aber ich kann nicht anders“, sagt Bäckerin Margriet Maassen (41) zu BILD.

Familienbetrieb mit langer Tradition

Die Familie führt das Unternehmen bereits in der achten Generation. Seit 228 Jahren wird in Wanroij (Niederlande) gebacken. „Derzeit müssen wir 3,50 Euro für ein Vollkornbrot nehmen. Im Jahr 2010 hat dieses Brot noch 1,98 Euro gekostet. Daher fühle ich mich so schlecht“, so die 41-Jährige.

Warum das Brot immer teurer wird

Die Gründe hinter den Preiserhöhungen: „Zutaten, Verpackung und Transport werden teurer.“ Hinzu kommen mehr Kosten für das Personal. „Wir leiden unter dem Mindestlohn. Der beträgt inzwischen 14,99 Euro“, erklärt die Backchefin. Und die nächste Belastung droht bereits: „Unser Energievertrag läuft in diesem Jahr aus. Wir befürchten viel höhere Gaspreise für unsere Öfen.“

Große Ketten setzen Bäckerei zu

Während immer mehr große Ketten mit zentralen Backstuben und industrieller Produktion den Markt bestimmen, setzen die Schwestern Petra und Margriet Maassen weiter auf Handarbeit. „Wir haben gute Produkte und einen guten Namen. Wir setzen nicht auf Expansion, eröffnen keine weiteren Filialen“, sagt Maassen.

Auch in Deutschland explodieren die Preise. Laut Statistischem Bundesamt kosten seit 2020 Brot und Backwaren über 40 Prozent mehr. Mehl und andere Getreideerzeugnisse verteuerten sich im selben Zeitraum sogar um knapp 50 Prozent.

Branche auch in Deutschland in der Krise

Und die Kunden reagieren, weichen auf Supermärkte oder Discounter aus. Die Folge: das große bundesweite Sterben. So hat etwa die Bäckerei Millahn Insolvenz beantragt. Sie hat 12 Standorte und 66 Mitarbeiter in Elmshorn (Schleswig-Holstein) und Umland. Auch für die Genuss-Bäckerei Tillmann im Sauerland mit acht Filialen und 105 Beschäftigten wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Zudem ist die Bäckerei Maier mit sechs Filialen und 50 Mitarbeitern in Bayern pleite. Einzig Großbäcker profitieren: Die größte Bäckerei Deutschlands baut eine neue Brot-Fabrik und investiert 200 Millionen Euro.

In manchen deutschen Großstädten gelten 3,50 Euro für ein Vollkornbrot inzwischen zwar als moderat. Doch für Bäckerin Margriet Maassen bleibt jeder Preissprung schmerzhaft.