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14-mal null Punkte im Mathe-Grundkurs – neue Zahlen zum Debakel am Gymnasium in Hagenow

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Nachdem an einer Schule in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) 18 von 52 Schülern durchs Abi fielen, veröffentlicht das Bildungsministerium neue Zahlen: Im schriftlichen Mathematik-Grundkurs fielen demnach 28 von 31 Schülern durch. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU hervor, die WELT vorliegt.

Damit lag die Durchfallquote im Grundkurs Mathematik bei über 90 Prozent: 14 Jugendliche erhielten keinen einzigen Punkt, weitere 14 Prüflinge erreichten lediglich ein bis vier Punkte – das heißt auch „nicht bestanden“. Nur drei Schüler bestanden die Arbeit – zwei davon knapp mit der Mindestpunktzahl von fünf Punkten, nur einer mit 12 Punkten.

„Der jüngste Vorfall am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow offenbart möglicherweise die Zuspitzung einer anhaltenden Krise im Bildungsbereich“, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Renz, in einer Mitteilung. Die Berichte könnten „nur die Spitze eines Eisbergs“ sein, „zumal MV bei den Abitur-Durchfallquoten schon seit Jahren trauriges Bundes-Schlusslicht ist. Wenn die Quote der nicht bestandenen Prüfungen auf über acht Prozent klettert und der Landeswert immer weiter abrutscht, ist die Bildungspolitik der Linkskoalition nachweislich gescheitert.“

In Deutsch fielen ebenfalls die Hälfte durch

Gut sieht es an dem Gymnasium auch in Deutsch nicht aus: Dort fielen in der mündlichen Deutschprüfung des Grundkurses mit 15 von 31 Schülern ebenfalls knapp die Hälfte durch.

Das Gerücht, ein Deutschlehrer sei gezielt nur bei drei Schülern in der mündlichen Prüfung gewesen, mit denen er Konflikte hatte, und alle drei seien durchgefallen, wird von der Landesregierung in der Antwort auf die Anfrage explizit als falsch zurückgewiesen. Eine Schülerin hatte berichtet, ein Deutschlehrer habe bei nur drei Schülern an der mündlichen Prüfung teilgenommen – genau jenen drei, mit denen er im Laufe der Schulzeit „Ärger hatte“ und Elterngespräche führen musste und diese drei seien durchgefallen.

Mit insgesamt rund 35 Prozent liegt die Nichtbestehensquote beim Abitur in Hagenow deutlich über dem gewöhnlichen Landesdurchschnitt, der im Jahr 2025 bei 8,3 Prozent lag. Renz nannte die Zahlen „noch erschreckender als gedacht“. Er kritisierte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) und forderte, die Schuld nicht bei den Jugendlichen zu suchen.

Die Schulleiterin hatte das Amt erst im Frühjahr 2025 übernommen und ihre Funktion zum 31. Juli 2026 niedergelegt. Sie arbeitet künftig nur noch als einfache Lehrkraft im Land. Die Landesregierung betont, dass es bisher keinen Hinweis auf prüfungsrechtliche Verstöße bei der Durchführung des Abiturs gibt. Allerdings: Es gibt Hinweise auf Lehrermangel an der Schule, einige Stellen waren in den vergangenen Jahren unbesetzt geblieben. Das geht ebenfalls aus der Antwort hervor.

Das Bildungsministerium kündigte als Konsequenz eine Überprüfung vor Ort an. Ab Mitte September soll ein vierköpfiges Evaluationsteam die Vorgänge an der Schule untersuchen.

Die Vorfälle an dem Gymnasium hatten im Juli bundesweit Aufmerksamkeit erregt, nachdem ein Video der Abschlussfeier in den sozialen Medien kursiert war. Eine betroffene Schülerin, die das Abi nicht geschafft hatte, hatte in einer Rede die Schule kritisiert. Sie warf der Schulleitung jahrelangen Unterrichtsausfall in Mathematik, häufige Lehrerwechsel und veraltetes Unterrichtsmaterial vor.

Die ehemalige Schülerin erzählte später der „Zeit“ von jahrelangen Problemen im Schulalltag: Neben ständigen Lehrerwechseln und bis zu 20 Jahre alten Arbeitsblättern habe eine Lehrkraft willkürlich schlechte mündliche Noten vergeben. Den Vorwurf einer Mitschülerin, der Schüler-Jahrgang habe nur gefeiert und sich mit Lehrern angelegt, wies die 18-Jährige entschieden zurück. Dem pflichtete ein Vater eines anderen betroffenen Schülers bei, der auch langjähriger Elternratsvorsitzender der Schule war. Er führte das Debakel auf massiven Unterrichtsausfall, gekürzte Stunden und den Einsatz schlecht qualifizierter, fachfremder Lehrkräfte nach der Corona-Pandemie zurück.

Trotz wiederholter Beschwerden der Eltern bei der Schulleitung habe sich daran nichts geändert. Von den 18 durchgefallenen Schülern des Jahrgangs wollen nur zwei die zwölfte Klasse wiederholen. Die 18-Jährige, die die Rede gehalten hatte, verzichtet wie die meisten auf ein Wiederholungsjahr und beginnt nun eine Ausbildung zur Raumausstatterin. Auch andere Schüler haben sich für neue Lebenswege entschieden: Eine absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr, einer beginnt eine Ausbildung und einer möchte erst einmal arbeiten und dann ins Ausland.